Jade - Mona heißt sie, die schwarzbunte Schönheit, die im Stall der Familie Gramsch in Jade steht. Etwas kamerascheu präsentiert sich die vierjährige Kuh – dabei müsste sie das Rampenlicht eigentlich mittlerweile gewöhnt sein. Zwei Pokale brachte sie im Vorjahr von einer Tierschau mit nach Hause.
Ihr Besitzer, Uwe Gramsch und sein Sohn Sven sind sichtlich stolz auf die Mutter von mittlerweile drei Kälbern. Eine grüne Schärpe zeichnet sie als schönste Kuh ihrer Rasse, dem Deutschen Schwarzbunten Niederungsrind (DSN), aus.
„Diese alte regionale Rasse wird nur noch sehr selten gezüchtet“, erklärt Sven Gramsch. Im Gegensatz zum Holstein-Rind ist das DSN kleiner und breiter. Während eine Holstein-Kuh circa 10 000 Liter Milch im Jahr gibt, kommt das Schwarzbunte Niederungsrind nur auf etwa 8000“, so der Landwirt. Der Fett- und Eiweißgehalt in der Milch sei aber höher.
8000 Liter im Jahr
„Wir wollen keine Hochleistungskühe, die mit teurem Zusatzfutter auf möglichst viel Leistung getrimmt werden“, betont Sven Gramsch. „Bei uns soll nicht jeden zweiten Tag der Tierarzt auf den Hof kommen“, nennt der Milchbauer die Schattenseiten der Hochleistungszucht.
„Unsere Kühe ernähren sich von heimischen Gräsern. Die Holstein-Rinder verändern dagegen die Grasnarbe und somit auch die Landschaft der Wesermarsch, da spezielle Gräser angepflanzt werden, damit die Kühe mehr Milch geben.“
Familie Gramsch möchte das nicht. „Wir sind ein Bioland-Betrieb und Teil einer Bauerngemeinschaft, an der noch 27 weitere Landwirte beteiligt sind.“
Hamfelder Hof nennt sich die Gemeinschaft. „Bei uns steht das Tierwohl im Vordergrund, nicht die Anzahl der Liter Milch“, so der Milchbauer, der den Betrieb seiner Eltern einmal übernehmen wird.
Auffälligstes Unterscheidungsmerkmal der Kühe der Familie Gramsch zu den Kühen auf den Nachbarhöfen sind die Hörner. „Bei uns behalten alle Rinder ihre Hörner“, so Sven Gramsch. Das Argument, dass hier ein erhöhtes Sicherheitsrisiko besteht, will der Milchbauer nicht gelten lassen. „Ich kann mich an keinen Vorfall mit unseren Kühen erinnern, wo es einmal brenzlig wurde“, so der Landwirt. „Unsere Kühe sind friedfertig.“
Von Trubel unbeeindruckt
Auch den Trubel auf der Tierschau ließ Kuh Mona unbeeindruckt über sich ergehen. Für ihre geraden Beine und ihr schön geformtes Euter gab es den 1. Platz.
Das Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind steht auf der Roten Liste und ist somit vom Aussterben bedroht. „Wir wollen diese alte Rasse erhalten“, so die Familie Gramsch. Auch in diesem Jahr stehen wieder einige Tierschauen auf dem Programm. „Ich bin zuversichtlich, dass Mona auch diesmal den einen oder anderen Pokal mit nach Hause bringt“, meint Sven Gramsch optimistisch.
