Oldenburg - „Was macht die Kunst?“, fragt der Prinz in Lessings Drama „Emilia Galotti“ den Maler Conti. Dieser klagt (in Hoffnung auf einen fairen Lohn): „Die Kunst geht nach dem Brot.“

Und tatsächlich trifft dieser Dialog in zweierlei Hinsicht auf den Hobbykunstmarkt zu, der am vergangenen Sonntag in seiner jährlichen Tradition auf dem Pferdemarkt stattfand: Aussteller präsentieren hier Produkte, die sie in ihrer Freizeit herstellen, während sie ihren Broterwerb in anderen Berufen bestreiten. Und zum Zweiten fand an selber Stelle tags zuvor der Wochenmarkt statt – die Kunst kommt nach dem Brot, könnte man deshalb auch meinen.

Aber zurück: Was macht die Kunst? An Ständen, in Zelten und unter Sonnenschirmen – welche im Tagesverlauf auch als Regenschirme dienten – luden gehäkelte,genähte, getöpferte, gesägte, bemalte und geschmiedete Unikate zum Stöbern ein.

Neben Mobiliar, Schmuck, Textilien, handgefertigten Karten und Dekoration wurden auch Pflanzen, Gewürze, Öle und Seifen angeboten.

„Nein, das ist nicht so meins. Aber riech mal hier!“ Uwe und seine Ehefrau An-drea folgen ihrer Nase durch das flüchtige Reich der Gerüche. Die Lavendelseife ist als erstes raus. Nein, die Kaffeeseife neutralisiert zwar, aber ebenso neutral fällt auch die Reaktion der beiden auf den Duft aus. „Mh, das hier riecht frisch, sommerlich!“, fällt Uwes Einschätzung bei der Sorte Zitrone-Rosmarin aus. Gesagt, gekauft.


Glücklich schlendern beide weiter. Vor 20 Jahren wohnten sie in Elsfleth, heute im westfälischen Hamm. Nun bot es sich an, der alten Heimat einen Besuch abzustatten.

Weiter geht es für sie zum Stand von Ute Folkerts. Bei der Oldenburger Goldschmiedin kann man „gerne den Löffel abgeben“. Sie arbeitet ohnehin schmuckes antikes Silberbesteck in ausgefallene Schmuckstücke um. „Wenn Ihnen der Teelöffel nicht passt, probieren Sie doch einmal den Sahnelöffel an!“

Upcycling, heißt die Kunst, aus alten Gegenständen neue Produkte herzustellen. So finden sich auf dem Pferdemarkt auch Taschen, die aus Lkw-Plane genäht sind, oder Garderoben, die aus Holzbalken und Handwerksutensilien wie kleinen Spachteln bestehen.

Ein Familien-Hobby verbindet Noëlle (23) aus Langenhagen mit ihrer Mama und ihrer Großmutter: Sie kreieren Schmuck. Die Oma aus Edelsteinen, die Mama aus Filzperlen und Noëlle fertigt Namensarmbänder an. Zu dritt stehen sie in Reihe hinter ihren Ständen.

Aus dem Nähkästchen plaudert derweil Anne Blohm und verrät, dass die Trennung von ihren liebevoll genähten und bestickten Stücken manchmal nur schweren Herzens gelingt. Dennoch sei die Freude der neuen Besitzer eine Entschädigung.

Und während die einen ihr Hobby präsentieren und die anderen ihrem Hobby – sonntags zu bummeln und zu stöbern – nachgehen, kommen die Wolken ihrer norddeutschen Regenpflicht nach. Dennoch, wo gehobelt wird, fallen Späne – wie man hier nur zu gut weiß.