Im Nordwesten - Der Blick auf die Energiepreise hat vielen Menschen in Deutschland in den vergangenen Monaten Sorge bereitet. Auch für Elektroautofahrer gab es schlechte Nachrichten, denn viele Anbieter haben für das Laden an öffentlichen Säulen teils kräftig an der Preisschraube gedreht.
Doch inzwischen hat sich die Lage am Energiemarkt wieder etwas entspannt. Schlägt diese Tendenz auch auf die Ladekosten durch? Unsere Redaktion hat mit dem Oldenburger Energieversorger EWE sowie einem Energieexperten der Verbraucherzentrale Niedersachsen gesprochen und beantwortet die wichtigsten Fragen.
Worauf sollten E-Autofahrer achten?
E-Autofahrer sollten sich vor der Fahrt über die Lademöglichkeiten erkundigen und sich die günstigen Anbieter aussuchen, erklärt Energieexperte Bernd Rosenthal. Je nach Region und Fahrtstrecke könne der günstigste Anbieter ein regionaler sein oder die Nutzung einer Roaming-Karte, mit der die Ladesäulen mehrerer Anbieter teilweise zu einheitlichen Preisen zugänglich sind, meint der Experte. Manchmal sei auch das Ladenetz des Herstellers der eigenen Automarke am günstigsten. Bei manchen Anbietern änderten sich die Preise je nach Tageszeit. Daneben seien Schnellladesäulen (DC) häufig teurer als das langsamere Normalladen (AC).
EWE Go ist nach Angaben des Unternehmens „mit mehr als 2000 Ladepunkten der bundesweit drittgrößte Anbieter von Ladeinfrastruktur in Deutschland und betreibt zudem das größte öffentliche Ladenetz im Nordwesten“. In der Region betreibt EWE Go derzeit 286 Schnellladepunkte (DC) sowie 970 normale Ladepunkte (AC). Die Tochter swb betreibt 20 AC- und 140 DC-Ladepunkte im Vertriebsgebiet Bremen, Bremerhaven und im südlichen Bremer Umland (Weyhe). Zur Auslastung möchte sich das Unternehmen aus wettbewerblichen Gründen nicht äußern. Beim Ausbau der öffentlichen Schnellladeinfrastruktur soll der Fokus auf öffentliche Plätze – auch entlang von Autobahnen – aber auch auf gewerblich genutzte Flächen wie Parkplätze großer Handelsunternehmen gelegt werden.
Die aktuellen Ladepreise von EWE Go: 49 Cent (AC eigenes Netz); 59 Cent (DC eigenes Netz); 59 Cent (AC Fremdanbieter); 69 Cent (DC Fremdanbieter). Eine Grundgebühr wird nicht fällig. Zum Vergleich die Preisentwicklung bei EnBW, die auch im Nordwesten mit relativ vielen Ladesäulen vertreten sind: Hier wurde Anfang des Jahres auf eine neue Preisstruktur umgestellt. Es wird nicht mehr zwischen Langsamladen (AC) und Schnellladen (DC) unterschieden, sondern nach Ladetarifen und Eigen- oder Fremdladesäule. Im Ladetarif S ohne monatliche Grundgebühr kostet das Laden an EnBW-Stationen 61 Cent/kWh, an Stationen anderer Betreiber 65 Cent/kWh. Im Ladetarif M mit 5,99 Euro monatlicher Grundgebühr werden 49 Cent je kWh an EnBW-Stationen fällig, an Fremdstationen 57 Cent/kWh. Im Ladetarif L mit 17,99 Euro monatlicher Grundgebühr sind es 39 Cent/kWh an eigenen Stationen und 50 Cent/kWh an Stationen fremder Anbieter.
Ladeflatrates, die es im vergangenen Jahr noch vereinzelt gegeben hat, wurden ebenfalls größtenteils eingestellt – so etwa das Angebot von elvah. Stattdessen werden hier nun auch mehrere Ladepakete angeboten.
Wie setzt sich der Strompreis zusammen und wie wird dieser ermittelt?
Die Preise für das Laden an den EWE-Ladesäulen orientiert sich nach Angaben einer Unternehmenssprecherin an den aktuellen Stromeinkaufspreisen. Diese setzen sich aus unterschiedlichen Komponenten zusammen, die das Unternehmen aus wettbewerblichen Gründen nicht detailliert aufschlüsseln könne.
Wie ist die aktuelle Preissituation?
Nach Angaben der EWE seien keine Sondervergünstigungen für Viellader vorgesehen. Auch eine monatliche Grundgebühr soll es nicht geben. Zur künftigen Preisgestaltung möchte das Unternehmen ebenfalls mit Verweis auf wettbewerbliche Gründe keine Auskunft geben. Ähnlich sieht es bei anderen Anbietern aus. Die aktuell gültigen Preise habenbis auf Weiteres Bestand. Da es bei den meisten Anbietern keine Mindestvertragslaufzeit gibt – so auch bei EWE – könnten Konditionen relativ schnell angepasst werden. Dies ist auch in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) entsprechend geregelt. Bei Angeboten mit einer Mindestlaufzeit gelten dagegen bis zum Ende der Laufzeit die zum Abschlusszeitpunkt vereinbarten Konditionen. Lohnen könne sich ein Blick auf Roaminganbieter wie Elli, die mehrere Tarife – unter anderem auch für Viellader – an einer großen Auswahl an Ladesäulen anbieten – unter anderem auch im Ausland. Die Vertragslaufzeit lag hier jüngst noch bei einem Jahr.
Wie ordnen Verbraucherschützer die Situation ein?
Rosenthal schätzt die Situation stabil ein. Die Preise an Ladesäulen hätten im Herbst 2022 ihren Höhepunkt erreicht, sagt er. Im Schnitt könne man mit einer guten Roaming-Karte für etwa 50 Cent je Kilowattstunde (kWh) schnell laden – bei 20 Kilowattstunden Verbrauch auf 100 Kilometer inklusive Ladeverlusten seien das Ladekosten von zehn Euro auf 100 Kilometer. Beim Schnellladen seien auch Preise um 80 Cent für die Kilowattstunde möglich – sofern man bei den Anbietern keine vergünstigten Konditionen habe. Hier sei also Vorsicht geboten.
Worauf sollten E-Autofahrer bei der Auswahl von Ladesäulen generell achten?
Die Ladesäule sollte in einer Online-Karte zu sehen sein, mit Angabe der genauen Adresse, mit welchen Ladekarten ein Zugang möglich ist und ob die Säule frei und intakt ist. Je nach Ladekarte kann der Preis unterschiedlich sein. Hilfreich ist es oft auch, wenn es ein Foto der Ladesäule gibt, da manche Säulen etwas versteckt liegen und so besser gefunden werden. Eine solche anbieterunabhängige Karte findet man z.B. unter www.lemnet.org. Häufig bieten Roaminganbieter eine App für das verfügbare Netz, in der die genannten Angaben zu finden sind, erklärt Rosenthal.
Wie ist die Lage im Ausland?
Die Preise für das Laden im In- und Ausland hängen davon ab, welchen Ladetarifanbieter (EMP) der Kunde wählt. Jeder EMP-Provider geht im sogenannten Roaming einen Vertrag mit dem jeweils zuständigen Stromlieferanten ein, um für den Endkunden ein einheitliches Preismodell gestalten zu können, teilt EWE mit. Die Preise könnten also variieren.
Bei Auslandsfahrten gilt, was auch für alle anderen Strecken gilt: man sollte sich vorher gut informieren, welche Ladesäulenanbieter im Reiseland ein gut ausgebautes Ladenetz haben und welche Roamingkarten für Deutschland und das Reiseland und die eventuellen Durchfahrtsländer gelten und günstiges Laden ermöglichen. Manchmal könne es laut Rosenthal günstig sein, sich zusätzlich eine Karte eines regionalen Anbieters zu suchen, wenn man länger vor Ort bleibt.
