Hannover/Wolfsburg - Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht mögliche Bonus-Zahlungen in Millionenhöhe an VW-Manager trotz der VW-Krise in Folge des Abgas-Skandals offenbar sehr kritisch. „Die Landesregierung besitzt ein ausgesprochenes Problembewusstsein in diesem Punkt“, erklärte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Freitag. Beim Land als großem Aktionär gebe es „ein größeres Unbehagen“, setzte Pörksen hinzu: „Die Landesregierung kann gewisse Regungen in der Öffentlichkeit gut nachvollziehen und hat ähnliche Vorstellungen.“
VW-Aufsichtsrat Weil, der mit Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) das Land Niedersachsen als Anteilseigner im Kontrollgremium vertritt, will sich selbst „noch nicht“ zum Boni-Streit äußern. Die Entscheidung falle im Aufsichtsrat. Auch IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, ebenfalls Mitglied im VW-Aufsichtsrat, will mit dem Vorstand über die Frage diskutieren, „was in der jetzigen Situation angemessen ist“. Der Gewerkschaftsvorsitzende geht davon aus, dass der Volkswagen-Vorstand in dieser Frage der Ankündigung von Konzernchef Matthias Müller folgen werde. Müller hatte Ende 2015 erklärt, dass der VW-Vorstand bei den Boni im Zuge der Krise „den Gürtel enger schnallen“ werde. Der „Spiegel“ hatte berichtet, dass einige VW-Manager trotz der Krise auf hohe Bonuszahlungen bestünden. VW wollte dies nicht kommentieren.
Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat einen Bericht über eine weitere Zuspitzung im Streit mit VW-Markenchef Herbert Diess zurückgewiesen. Der „Spiegel“ hatte vorab berichtet, Diess habe den mächtigen Chef der Arbeitnehmervertretung in einem Gespräch gefragt, ob er seinen Posten räumen solle. Osterloh habe das verneint.
Als Konsequenz aus den Problemen mit dem Passat beim Diesel-Rückruf überlegt VW, andere manipulierte Modelle wie den Golf zuerst in die Werkstätten zu holen.
