Hannover - Der VW-Großaktionär Niedersachsen schließt im Diesel-Skandal ein juristisches Vorgehen gegen den Autobauer in der aktuellen Lage aus. „Das Land Niedersachsen sieht derzeit keinerlei Grund für eine Klage gegen VW“, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen.
Viele andere Aktionäre des Konzerns versuchen hingegen bereits, VW für ihre Kursverluste haftbar zu machen und klagen vor dem Landgericht Braunschweig auf milliardenschweren Schadenersatz. Die Größten unter den Klägern sind US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka. Die Kläger monieren, der Konzern habe zu spät über die Abgas-Affäre informiert.
Niedersachsen besitzt ein Fünftel der Stammaktien, an denen die Stimmrechte und damit die Macht bei VW hängen. Zudem genießt Niedersachsen wegen des VW-Gesetzes ein Blockaderecht bei zentralen Entscheidungen, obwohl dazu eigentlich die ansonsten übliche Stimmenmehrheit fehlt.
Das Land hängt ganz erheblich von dem Autobauer ab. Mit rund 120 000 Jobs findet sich hier rund jede fünfte Stelle des Konzerns; es gibt Werke in Emden, Osnabrück, Hannover, Braunschweig, Salzgitter und in Wolfsburg. Zudem hat auch die VW-Finanztochter ihren Sitz in Braunschweig. Die Zulieferer müssen ebenfalls beachtet werden: Auf sie entfallen Zehntausende weitere Jobs.
Der Diesel-Skandal könnte Niedersachsen viel Geld kosten. Wie jüngst aus dem VW-Aufsichtsrat verlautete, droht ein Dividendeneinbruch, womöglich ein Totalausfall. Für 2014 strich das Land gut eine Viertelmilliarde Euro aus der Dividendenzahlung ein.
