Hannover - Im Kampf gegen eine Überdüngung von Flächen greift die rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen jetzt härter durch. Agrarminister Christian Meyer (Grüne) kündigte Einschränkungen bei der Herbstdüngung an, um die Nitratbelastung des Grundwassers zu senken. Bis 2014 soll ein Güllekataster in Kraft treten, das eine strenge Überprüfung der Flächen vorsieht. Die Betriebe müssen dann den Verbleib der Stoffe exakt nachweisen.

„Ziel ist es, dass bei den alten und bei den neuen Ställen die Kommunen abgleichen können, auf welchen Flächen die Gülle verbracht wird. Das soll in ein Kataster eingetragen werden, um mehr Transparenz zu schaffen“, sagte Meyer der NWZ. „Wir müssen konsequent handeln. Im Oldenburger Münsterland kann man das Problem der Nährstoff-Überschüsse nicht mehr wegdiskutieren.“

Die Nitratbelastung der Böden wird unter anderem für das vermehrte Wachstum von Blaualgen in Seen verantwortlich gemacht. Besonders betroffen sind das Zwischenahner Meer und der Dümmer.

Der Naturschutz Niedersachsen (NABU) begrüßte die eingeschränkte Herbstdüngung als vorgezogenes Güllekataster. Die Belastung des Bodens durch Nitrat sei dramatisch, erste Trinkwasserbrunnen seien geschlossen worden, hieß es beim NABU.

Kritik kam dagegen aus der Bauernschaft. Landvolk-Präsident Werner Hilse sagte, es gebe landesweit keinen negativen Trend bei den Nitratgehalten im Wasser. „In einigen Messstellen sind die Nitratgehalte zuletzt zwar angestiegen, bei einigen aber auch deutlich gesunken.“ Hier habe es in den vergangenen Jahren in der Summe wenig Änderung gegeben. „Ein Gülle-Kataster dieser Form bringt uns nicht weiter“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Helmut Dammann-Tamke der NWZ. „Die zusätzlichen Informationen stehen in keinem Verhältnis zum bürokratischen Aufwand.“ Die FDP warf Meyer eine typische „grüne Zwangsbeglückungspolitik“ vor.