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Entwässerung Land unter in Moorriem

Moorriem - Der Boden unter den Füßen vibriert im Schöpfwerk Dalsper. Auf Hochtouren laufen die dröhnenden Pumpen, die seit drei Tagen fast ununterbrochen arbeiten. Sie schaufeln zusammen in jeder Sekunde rund 11 000 Liter Wasser in den Moorriemer Kanal. Und diese hohe Staustufe, die das Wasser weiter in den Liener Kanal und ins Elsflether Sieltief führt, ist schon beinahe bis zum Überlaufen gefüllt. Es fehlen nur wenige Zentimeter bis zum kritischen Punkt.

Zwar besteht noch keine akute Gefahr. Doch langsam werde es ernst, sagt Jürgen Büsing, der vor dem Schöpfwerk steht und auf die Böschungen des Moorriemer Kanals in Richtung Elsfleth schaut. Die Pumpen in den Schöpfwerken der Moorriem-Ohmsteder Sielacht laufen zurzeit unaufhörlich. Davon hat sich der Vorsteher der Sielacht überzeugt. Doch es fällt schwer, den Wassermassen Herr zu werden. Die Gräben sind voll gelaufen, auch in den höher gelegenen Gebieten des Ipweger Moores in Richtung Oldenburg. Grünland und Ackerflächen stehen teilweise unter Wasser. Der Boden sei gesättigt und könne kein Wasser mehr aufnehmen, sagt Jürgen Büsing. Und so drückt das Schöpfwerk Dalsper die Wassermassen, auf denen sich gelbweiße Schaumkronen zeigen, wie einen breiten, dunklen Fluss schwerfällig in Richtung Hunte, zum Mündungsschöpfwerk Lienen und Mündungssiel Wehrder, dessen Tore aber geschlossen sind wenn das Niedrigwasser, was jetzt der Fall ist, höher ist als das Binnenwasser.

Die Situation ist brenzlig. Das sieht man im rund 14 000 Hektar großen Einzugsgebiet der Moorriem-Ohmsteder Sielacht deutlich, wobei das Schöpfwerk Dalsper ein Einzugsgebiet von 6360 Hektar umfasst. Auf den Weiden beim Landwirt Georg Alter in Fuchsberg beispielsweise hat sich bereits ein größerer See aufgestaut. Und ständig läuft Wasser hinzu. „Das sollten sich jetzt die Landespolitiker anschauen“, sagt Jürgen Büsing bissig, der vor drei Tagen noch eine Audienz beim Landesvater Stephan Weil hatte.

Dem niedersächsischen Ministerpräsidenten hat er die Auswirkungen geschildert, sollte das Landesraumordnungsprogramm (LROP) tatsächlich so, wie zunächst geplant, beschlossen werden. Er zweifelt jedoch an der Einsichtigkeit der Politiker und befürchtet fatale Konsequenzen für die Region, weil bei der bevorstehenden Novellierung von einigen Vorschlägen wohl nicht abgelassen werde.

Alle Pumpen arbeiten

Verbandsvorsteher Jürgen Büsing ist alarmiert. Die Mitarbeiter der Sielacht, Schöpfwerkswärter Frank Heidenreich, der alle Pumpen abfährt, Techniker Wilfried Pieper und Georg Heidenreich, der nachts die Pumpen betreut, sowie die Mitarbeiter Florian Dirks und Gerrit Köster und Herbald Segebade, der das Mündungsschöpfwerk in Lienen Tag und Nacht betreut, erleben nun tagtäglich, was es heißt, gegen Wassermassen anzukämpfen und inständig zu hoffen, dass keine Pumpe ausfällt oder noch mehr Regen fällt. Und so werden Jürgen Büsing und viele andere nicht müde, das LROP in puncto Moorschutz vehement zu kritisieren. „Die Politiker und die Experten in Hannover sollten sich das hier ansehen“, sagt er zornig. Vorranggebiete für den Moorschutz auszuweisen, sei Unsinn. Das funktioniere nicht in dieser landwirtschaftlich geprägten Region.


Weil die Hunte aufgrund ungünstiger Winde bei Niedrigwasser nicht genug abgefallen ist, konnten die Schöpfwerke nicht genügend Wasser abpumpen. Und so stehen Gräben und Flächen unter Wasser. Bei weiteren Niederschlägen würde es problematisch, sagt Jürgen Büsing. Das sei dann ein ähnliches Szenario, als wenn Flächen für den Moorschutz vernässt wären, die das Wasser – wie jetzt bei den starken Regenfällen – auch nicht mehr aufnehmen könnten.

Die Faustregel ist simpel: Wenn Regen fällt, werden ein Drittel der Wassermengen abgepumpt, ein Drittel des Wassers wird in den Vorhaltesystemen gespeichert. Die restlichen Mengen nimmt der Boden auf. Das ist der Idealfall, doch es gibt Ausnahmen, wie sich jetzt wieder zeigt. Wären die Moorflächen jedoch vernässt, hätten die dortigen Böden überhaupt kein Wasser aufnehmen können. Die Folge: Die Schöpfwerke wären überlastet, könnten die anfallenden Wassermengen nicht mehr zügig abpumpen, Wohngebiete in Moorriem und auch in Elsfleth stünden unter Wasser. „Schon jetzt gibt es Probleme. Kläranlagen können nicht auslaufen bei gewissen Wasserständen“, berichtet der Verbandsvorsteher.

Auch auf Volllast laufende Pumpen – wie derzeit in Dalsper – könnten daran nichts mehr ändern.

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Redaktion Brake
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