Als Augenoptikermeisterin sorgt Sarah Hochheiden für den richtigen Durchblick bei ihren Kunden. Privat zeigte und zeigt die 31-Jährige darüber hinaus einen gewissen Weitblick – denn sonst wäre sie wohl kaum Kreismeisterin im Boßeln geworden. Sie schafft bei zehn Würfen eine Strecke von über 1000 Metern. Ihr Traum sei die Teilnahme an der Europameisterschaft im Boßeln. „Da müsste ich aber noch mehr trainieren, und dazu fehlt mir im Moment leider die Zeit“, bedauert sie.
Sarah Hochheidens Vater war viele Jahre lang Jugendwart beim KBV (Klootschießen & Boßeln) in Seefeld (Wesermarsch). So lag es nahe, dass auch seine drei Töchter das Spiel mit der Kugel zu ihrem Hobby machten. „Boßeln macht mir ganz viel Spaß“, erzählt Sarah. „Man ist draußen an der frischen Luft und in einer tollen Gemeinschaft. Dabei geht es nicht nur ums Gewinnen, zumindest nicht immer.“
Aufgewachsen ist Hochheiden in Seefeld, und sie ist stolz, ein „Landei“ zu sein. „Ich könnte mir überhaupt nicht vorstellen, in einer Großstadt wie Hamburg oder Frankfurt zu leben.“
Auch beruflich hatte Sarah klare Vorstellungen – zumindest davon, was sie nicht machen wollte. Das war unter anderem ein Job im Büro. „Ich wollte schon immer gerne etwas Praktisches machen, wo ich es dann mit Menschen zu tun habe.“
Ihre Eltern waren nicht besonders begeistert, als Sarah ihnen eröffnete, dass sie keine Lust mehr auf Schule habe und das Gymnasium Nordenham mit dem erweiterten Realschulabschluss verlassen wolle. Der anschließende Weg zur Berufsberatung sollte sich lohnen: Sie erfuhr viel über das Metier des Augenoptikers – und absolvierte ein Praktikum in Elsfleth. „Dieser Beruf gefiel mir auf Anhieb. Ich hatte das Glück, dass ich gleich bei Christine Rose in Bookholzberg meine Ausbildung machen konnte.“
Das erste Ausbildungsjahr verbrachte sie fast „nur“ in der Werkstatt. „Für das Pfeilen, Schleifen und Löten musste ich mir das nötige Feingefühl aneignen“, erinnert sich Sarah. Später war im Geschäft Brillenputzen angesagt, und hierbei hörte sie genau zu bei den Verkaufsgesprächen ihrer Kollegen. „Bei meinem ersten Kunden war ich schon sehr aufgeregt, aber das hat sich schnell gelegt.“
Hoher Einsatz gefragt
Nachdem sie 2004 ihre Ausbildung erfolgreich beendet hatte, blieb sie als Gesellin bei Rose Optik in Bookholzberg. Sarah Hochheiden bewies Weitblick, denn auch in dieser Zeit bildete sie sich stets fort; 2008 meldete sie sich zur Meisterschule an. „Ich war allerdings der Meinung: Meisterschule, da kann ja nicht mehr viel kommen. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Ich habe auf der Meisterschule sehr viel gelernt“, gibt Sarah gerne zu.
Diese Zeit war für sie nicht einfach. An drei Tagen in der Woche Meisterschule in Hankensbüttel (bei Gifhorn) und dann drei Tage arbeiten bei Rose Optik. Natürlich bekam sie auch nur diese drei Tage bezahlt. „Ich habe vorher schon gespart und habe diese 14 Monate ganz gut überstanden.“
Schon während ihrer Zeit als Gesellin ließ ihre Chefin immer mal wieder durchblicken, dass sie irgendwann das Geschäft verkaufen wolle. Auch hier bewies Sarah wieder Weitblick, als sie im November 2012 ihre Chefin einfach fragte: „Kann ich das Geschäft kaufen?“ Sarah hatte ich innerlich auf eine lange Bedenkzeit ihrer Chefin eingestellt, aber die antwortete sofort und spontan mit einem „Ja!“ „Für mich war der Sprung von einer Mitarbeiterin zur Inhaberin nicht so schlimm, denn ich kannte meine Kollegen und unsere Kunden“, erzählt sie mir. Im Januar 2015 eröffnete sie in Hude ihre erste Filiale.
Neues Heim in Schwei
Bereut hat sie ihren Schritt in die Selbstständigkeit noch in keiner Sekunde. Sarah versucht sich genügend Freiraum zu schaffen. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Jan-Dierk renoviert sie gerade das gemeinsam erworbene Haus in Schwei. Mit Leidenschaft kocht sie dann für die Handwerker und Helfer.
Schon jetzt freuen sich aber beide, wenn nach dem Umbau wieder Zeit für Urlaub in Skandinavien ist oder fürs gemeinsame Hobby „Tanzen“. Darüber hinaus engagiert sich Sarah Hochheiden im „Ladies Circle 52 Nordenham“ für gemeinnützige Projekte.
Sarah Hochheiden, Inhaberin von „Rose Optik“ in Bookholzberg und Hude
