Landkreis - Der Landkreis Oldenburg will die Biogasanlagen hinsichtlich der wasserrechtlichen Anforderungen noch intensiver unter die Lupe nehmen. Dabei sollen auch die umliegenden Äcker, Flüsse und Bäche kontrolliert werden. Grund sind die fünf im Vorjahr „nach Wasserrecht“ geprüften Anlagen, die laut Kreisverwaltung alle Mängel aufwiesen.

Sämtliche Mängel seien auf individuelle Fehler der Betreiber zurückzuführen. So seien Silageplatten überfüllt gewesen. Schmutz- und Silagesickerwasser sei in eine Mulde gepumpt worden. Von dort gelangte es ins Oberflächengewässer. In einem anderen Fall sei ein Rohr durch einen Wall verlegt worden und belastetes Wasser ins Oberflächenwasser gelangt. Bei drei von fünf Anlagen seien Abwasserpilze im Fließgewässer gefunden worden.

Ob auf die Biogasanlagenbetreiber ein Bußgeld zukommt, wird nach Abschluss des Verfahrens geprüft.

Insgesamt hat der Landkreis im Vorjahr 55 der 79 Biogaslagen (70 Prozent) überprüft, 48 davon vor Ort, elf ohne Ankündigung. Dabei seien 16 geringe technische Mängel festgestellt worden.

Die 79 Biogasanlagen verteilen sich auf alle acht Kommunen im Landkreis. In der Gemeinde Großenkneten stehen die meisten (18), gefolgt von Dötlingen (15).


Hartmut Schlepps, Präsident des niedersächsischen Landvolks, bezeichnete gegenüber dem NDR die bemängelten Anlagen als Einzelfälle. Missstände wie in diesem Fall und mögliche Folgen für die Natur wären selbst bei angekündigten Kontrollen aufgefallen, weil sie vom Landwirt nicht so schnell zu beseitigen wären. Die überwiegende Mehrzahl der insgesamt 1500 Anlagen in Niedersachsen sei in Ordnung, so Schlepps weiter. Wenn wirklich Gewässer verunreinigt worden wären, dann sei das aber eine Straftat und nicht zu entschuldigen. Er setzt auch weiterhin auf angekündigte Kontrollen, wenn keine besonderen Anlässe wie eine Gefahrenabwehr vorliegen.

In den Anlagen wird Biomasse, meist nachwachsende Rohstoffe und tierische Exkremente, zu Biogas und Energie umgewandelt. In Deutschland gibt es rund 8000 Biogasanlagen. Vor zehn Jahren waren es etwa 3800.

Nach Darstellung des Landkreises laufen die Vergütungsvereinbarungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz für Biogasanlagen aus. Es sei damit zu rechnen, dass Betreiber nicht mehr in Altanlagen investierten und Anlagen auf „Verschleiß“ gefahren würden. Die Anforderungen an die Überwachungsbehörden würden damit steigen.