LANDKREIS - Obwohl die Einwohnerzahl des Landkreises Oldenburg seit 1990 stark gewachsen ist, sind auch hier erste Anzeichen für die immer älter werdende Gesellschaft erkennbar. Als ein Beispiel von vielen gilt die Neubautätigkeit, die zwischen 1999 und 2006 um 63 Prozent zurückging, wie die Oldenburger Forum GmbH ermittelt hat. Allein in der Gemeinde Großenkneten seien 2006 nur noch 29 Häuser mit Ein- oder Zwei-Familien-Wohnungen erstellt worden.

„Die Frage ist: Was kommt auf uns zu?“, sagte Landrat Frank Eger. Er möchte eine Diskussion über den so genannten demografischen Wandel im Landkreis anstoßen und möglichst viele Menschen mitnehmen. Zum Auftakt dieses Prozesses findet am kommenden Mittwoch, 9. April, um 18 Uhr eine Informationsveranstaltung im Kreishaus in Wildeshausen statt. Martin Kasten von der Firma Forum werde die demografischen Trends im Landkreis Oldenburg und seinen Gemeinden vorstellen. Wie erfolgreiche Projekte, etwa zur Ansiedlungspolitik oder zu interkommunalen Zusammenarbeit, aussehen könnten, soll Julia Vollmer von der Bertelsmann-Stiftung darlegen.

Mitdiskutieren sollen nicht in erster Linie die ehrenamtlich tätigen Vertreter im Kreistag oder in den Gemeinderäten, sondern vor allem Seniorengruppen oder Interessenvertreter von Kindergärten, Schulen und Bürgervereinen. Bereits im Vorfeld tagten Arbeitsgruppen in allen acht Gemeinden des Kreises.

Eger meinte, die Gemeinden würden nicht nur ihre Baulandpolitik überdenken müssen. Damit die Menschen im Landkreis blieben oder sich hier niederlassen, würden „weiche Faktoren“ immer wichtiger. Dazu gehörten beispielsweise flexible Öffnungszeiten von Kindertagesstätten oder der Öffentliche Personennahverkehr. Auch die Honorierung der Ehrenamtlichen müsse überdacht werden. „Wenn Arbeitnehmer ab dem 21. Kilometer ihre Fahrten steuerlich geltend machen können, warum soll das nicht für Ehrenamtliche gelten, die mit ihrer Tätigkeit zur Entlastung des Staates beitragen“, fragte Eger.

Der Landrat rief die Gemeinden auf, das Kirchturmdenken aufzugeben. Denkbar seien interkommunale Kindergärten oder die gemeinsame Nutzung von Schulen. In Skandinavien würden Gebäude erst als Krippen, später als Dorfgemeinschaftshäuser genutzt. Als Hinweis auf einen Werbeslogan für Baden-Württemberg griff der Landrat zu einer plakativen Alternative für den Landkreis: „Wir können Hochdeutsch und haben Platz.“