Landkreis/Hude - Der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) steckt nach eigenen Angaben weiterhin in einer „finanziell schwierigen Situation“. Der DRK-Landesverband hat nach eingehender Wirtschaftsprüfung entschieden, dem Kreisverband keine finanzielle Unterstützung zu gewähren. „Das würden wir gerne tun; uns fehlt aber die Perspektive“, erklärte Dieter Holzapfel, Geschäftsführer des DRK-Landesverbands, am Montag auf NWZ-Anfrage. Man habe sich dabei die Entscheidung nicht leicht gemacht.
Anfang Mai waren die Zahlungsschwierigkeiten des DRK-Kreisverbandes bekannt geworden. Danach sollen rund 100 Mitarbeiter im April ihre Gehälter erst verspätet erhalten haben. Betroffen gewesen seien die Ortsvereine in Ganderkesee, Hude, Wardenburg und Wildeshausen. Wie DRK-Kreisgeschäftsführer Michael Venzke damals bestätigte, werde im Rahmen der Sanierung des Kreisverbandes an Lösungen gearbeitet. Wie groß der finanzielle Engpass ist, wollte der Manager nicht sagen. Nicht betroffen seien die DRK-Tochtergesellschaften, also das Seniorenzentrum in Harpstedt, das Zentrum für Integration und Bildung (ZIB) sowie die Betreuungsdienste Oldenburg-Land. Vehement widersprach Venzke Gerüchten, der DRK-Kreisverband stünde vor einer Insolvenz. Denn dann würde das DRK als Verein sofort aus dem Vereinsregister gelöscht.
Nach der Entscheidung des DRK-Landesverbandes, nicht zu helfen, informierten Kreisvorsitzender Ulrich Gamharter und Geschäftsführer Venzke die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Sie sollten „Ruhe bewahren“, falls sie in der Öffentlichkeit angesprochen werden sollten und „keine Vermutungen oder Meinungen zu äußern“. Das Ehrenamt sei nicht beeinträchtigt, heißt es in dem Schreiben. Auch Dienstleistungen wie beispielsweise der Hausnotrufdienst, Essen auf Rädern sowie die ambulante Pflege würden „weiterhin im Rahmen des Geschäftsbetriebs in gewohnter Qualität angeboten“. Der Kreisvorstand werde alles daran setzen, „eine Problemlösung herbeizuführen“.
Wie Roar Abel, Pressesprecher des DRK-Kreisverbands, auf Anfrage der NWZ sagte, haben mehrere benachbarte Kreisverbände dem DRK-Kreisverband finanzielle Unterstützung zugesagt. Zur die Höhe der Leistungen könne er aber nichts sagen, betonte aber zugleich: „Die Lage ist nicht aussichtslos!“ Nun würden Vorstand und Aufsichtsrat des DRK-Kreisverbandes mit seinen insgesamt mehr als 200 Mitarbeitern Gespräche über Umstrukturierungen führen. Wie lange diese dauern werden, vermochte Abel nicht zu sagen. Finanzielle Hilfe vom Landkreis oder den Gemeinden sei nicht in Aussicht gestellt worden.
Erst im Spätsommer vergangenen Jahres hatten der DRK-Kreisverband und der Landkreis Oldenburg ihre Auseinandersetzung über fehlerhafte Abrechnungen im Rettungsdienst beigelegt und eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Den Rettungsdienst-Vertrag mit dem DRK hatte der Landkreis im Jahr 2015 gekündigt. Das Rote Kreuz soll den Kreis um eine Summe von 300 000 bis 500 000 Euro geprellt haben. Die Summe sollte in Raten zurückgezahlt werden.
