LANDKREIS - „Der Datenschutz spielt eine überragende Rolle“, das ist Ralf Wiechmann, Hauptamtsleiter im Kreishaus, besonders wichtig. Deshalb wird für die Durchführung der Volkszählung 2011 extra ein Raum im Kreishaus eingerichtet, zu dem nur die beiden Mitarbeiter Birgit Kathmann und Roland Gräwert Zutritt haben werden. „Der Hausmeister bekommt seinen Schlüssel nur im versiegelten Umschlag“, so Wiechmann, „falls es einmal brennt.“ Besucher könnten fast den Eindruck gewinnen, sie betreten das Pentagon.
Noch Helfer gesucht
Keine Frage, die Debatte um die zunächst für 1983 geplante Bevölkerungsinventur spukt noch in vielen Köpfen herum. Bei der Zählung 1987 war die Stimmung noch immer vergiftet. Das liegt nun 23 Jahre zurück. Mit älteren Daten arbeiten nur Länder wie Birma und der Libanon. Nicht gerade die Art von Konkurrenten, mit denen sich die größte Volkswirtschaft Europas sonst misst. Um das zu ändern, sind ab Mitte nächsten Jahres rund 200 Zähler im Landkreis Oldenburg unterwegs, um 18 800 Menschen in 6900 zufällig ausgewählten Häusern zu befragen. Dazu werden noch ehrenamtliche Helfer, „mitten aus dem Leben“, gesucht. Wiechmann geht davon aus, dass die Gemeinden die „Erhebungsbeauftragten“ aus dem Kreis ihrer Wahlhelfer rekrutieren.
Die Befragung läuft auf zwei Ebenen ab: Alle Haus- und Wohnungseigentümer werden bei der Gebäude- und Wohnungszählung befragt – etwa nach dem Alter des Gebäudes oder der Heizungsart. Schon Anfang Dezember seien Eigentümer angeschrieben worden, um Zweifelsfälle aufzuklären. Alle anderen erhalten nun im neuen Jahr Post. Die zweite Ebene ist die persönliche Befragung von bis zu zehn Prozent der deutschen Haushalte. Die Adressen werden zufällig ausgelost.
Für alle Bürger besteht eine Auskunftspflicht. Wenn die Fragebögen zur Wohnraumzählung im Briefkasten stecken, haben die Eigentümer 14 Tage Zeit für die Antwort. Es wird eine Hotline eingerichtet, um Unklarheiten zu beseitigen. Wer nicht antwortet, wird zunächst freundlich erinnert, dann angemahnt. „Auf Wunsch können wir auch einen Interviewer vorbeischicken“, sagt Birgit Kathmann.
Auf die 45-Jährige kommt eine logistische Mammutaufgabe zu: Sämtliche Post für den Zensus muss extra gesammelt und darf erst in der Erhebungsstelle geöffnet werden. Dort entstehen 109 Regalmeter für die Unterlagen, die die Zähler persönlich abgeben müssen. Insgesamt passen die Fragebögen für den Kreis auf drei Europaletten und sind gestapelt rund 160 Meter hoch. Zum Abholen der Fragebögen stehen 120 Kartons bereit. Die Rohdaten verlassen die Behörde nur im Paket – komplett anonym. Der Computer in der Erhebungsstelle ist nicht mit dem Kreishaus vernetzt; ein Abgleich mit anderen Daten – etwa aus den Einwohnermeldeämtern – ist nicht möglich.
Ergebnisse erst 2015
Rund 280 000 Euro kostet die Volkszählung den Landkreis; den größten Teil übernimmt der Bund. Bis Ende des Jahres 2011 soll die Erhebungsstelle ihre Arbeit erledigt haben. Mit ersten Ergebnissen des Zensus werde erst 2015 gerechnet.
