Wüsting - Die Landtage Nord in Wüsting (Landkreis Oldenburg) beschäftigen sich als bedeutende regionale Landwirtschaftsmesse inhaltlich zwangsläufig mit dem Thema Nachhaltigkeit, aber: Wie umweltverträglich ist die Veranstaltung als solche eigentlich? Mit 600 Ausstellern auf 130.000 Quadratmetern und 70.000 erwarteten Besuchern ab dem 18. August in diesem Jahr stellen die Landtage für den beschaulichen Ort einen Ausnahmezustand dar. Genau wie bei anderen Großveranstaltungen im Sommer entsteht dabei nicht nur Abfall, sondern auch erhöhter Energiebedarf sowie Verkehrsaufkommen. Wie die Messebetreiber Yvonne Urban und Wâtte Haanstra-Urban erklären, ist die viertägige Veranstaltung aber durchaus „grün“ – und zwar seit Jahren.
Yvonne Urban und Wâtte Haanstra-Urban sind seit diesem Jahr die Organisatoren der Landtage Nord. Bild: Arne Haschen
Fernwärme durch Biogasanlage
Offizielle Werte für die Klimabilanz von Festivals und Großveranstaltungen in Deutschland gibt es nicht. Jacob Sylvester Bilabel, Leiter des Aktionsnetzwerks Nachhaltigkeit im Bereich Kultur und Medien, schätzt den Stromverbrauch eines Festivals zwischen 120.000 und 450.000 Kilowattstunden ein, wie das Portal EventElevator berichtet.
Im Vergleich seit 1990 ist der Energieverbrauch in Deutschland trotz technologischen Fortschritts laut Umweltbundesamt kaum gesunken, auch die Verteilung der Sparten blieb ähnlich: An den 2631 Terawattstunden in 1990 hatten Gewerbe, Handel und Dienstleistungen – darunter auch Großveranstaltungen – einen Anteil von 490 Terawattstunden. 2021 waren es 2407 Terawattstunden Jahresverbrauch und anteilig 385 für die genannte Sparte.
Gestiegen ist derweil im Abfallbereich der Anteil von Kunststoff, vor allem Verpackungsmüll: Von 1,56 Millionen Tonnen in 1995 auf 3,2 Millionen Tonnen in 2021 (plus 105 Prozent), so der Nabu Deutschland. Grund sind unter anderem Trends hin zu mehr vorverpackter Frischware und To-Go-Produkten.
Denn die benachbarte Biogasanlage von Helmut Urban, dem Gründer und bis zum vergangenen Jahr auch Organisator der Landtage Nord, versorgt die Messehalle und auch umliegende Haushalte und Einrichtungen mit Fernwärme. „Das macht schon viel aus, dass die Bodenheizung der großen Halle darüber betrieben wird“, erklärt Wâtte Haanstra-Urban. Die jährlich eingespeiste Strommenge der 2-Megawatt-Anlage übertreffe zudem den Verbrauch der Landtage bei weitem. „Der Bedarf an Strom seitens der Aussteller ist im Laufe der Jahre höher geworden, vor allem bei der Gastronomie. Aber wenn man das verrechnet, sind wir trotzdem im ,grünen’ Bereich.“ Das Messegelände ist selbst Teil des Biogas-Kreislaufs, weil der Grünschnitt in der Anlage verarbeitet wird. Haanstra-Urban: „Da schließt sich der Kreis dann.“
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Getränke im Glas, der Zug nebenan
Eine gewisse Abfallmenge sei bei einer derartigen Veranstaltung unvermeidbar, Plastikbecher wurden allerdings schon vor Jahren verbannt und durch Gläser ersetzt, wie das Ehepaar sagt: „Das funktioniert auch gut. Ein paar Gläser stehen nach der Messe immer in der Gegend herum, aber es ist nicht so, dass es großen Schwund gibt.“ Wo die Landtage in Sachen Nachhaltigkeit aus Sicht von Urbans aber besonders punkten, ist der Verkehr. „Die Zuganbindung ist hervorragend, man ist in einer Minute vom Bahnhof aus auf den Landtagen“, so Haanstra-Urban. Mit der stündlichen Taktung in die Richtungen Oldenburg und Bremen sei die Veranstaltung für Besucher so einfach und umweltschonend erreichbar. „Unsere Parkplätze sind kostenfrei, aber man muss nicht zwingend mit dem Auto kommen – die Wege in Wüsting sind kurz.“ Insgesamt kann sich die Klimabilanz der Landtage Nord aus Sicht des Paars deshalb sehen lassen.
Bauernmarkt hat noch Potenzial
Inhaltlich legt die Messe mittlerweile auch einen Fokus auf verbraucherorientierte Nachhaltigkeit: Der Bauernmarkt mit regionalen Produkten vom Rinderburger bis hin zu Seife, der seit zwei Jahren Teil des Programms ist, erfreut sich großer Beliebtheit. Yvonne Urban: „Es musste sich natürlich erstmal entwickeln, aber in diesem Jahr haben wir bereits 30 Aussteller.“ Das Format habe demnach Potenzial, in kommenden Jahren noch weiter zu wachsen – ohne Abfallmengen zu erhöhen.
