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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Aquakultur: Landwirt tauscht Kühe gegen Garnelen

03.03.2011

AFFINGHAUSEN Marco Schäfer läuft mitten im Winter in Badehose über den Hof. Am Arbeitsplatz des jungen Mannes herrschen 30 Grad Celsius und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Vater Heinrich schmunzelt. Erstaunte Blicke von Besuchern ist er gewöhnt. Nach 24 Jahren hatte der ehemalige Lohnunternehmer die Nase voll. Den Bauern ging es schlecht, die Preis-Verhandlungen bedeuteten Stress pur für den 61-Jährigen. Der Bauernhof ist seit 450 Jahren in Familienbesitz. Sohn Marco sollte eine Perspektive haben.

Anfangs erntete Heinrich Schäfer vor allem Spott, weil er mit der Abwärme seiner Biogasanlage Garnelen produzieren wollte. Bei mehreren Geldinstituten wurde er müde belächelt. Die Bremer Landesbank gewährte ihm schließlich einen Kredit über eine dreiviertel Million Euro. „Garnelen zu halten ist kompliziert, aber ich dachte: was einfach ist, kann jeder“, sagt Schäfer.

Larven werden eingeflogen

Die acht Millimeter großen Postlarven werden von Florida nach Affinghausen im Landkreis Diepholz geliefert. Nach sechs Monaten sind die empfindlichen Tiere dann ausgewachsen. Vor zehn Monaten konnte der Familienbetrieb die ersten Garnelen verkaufen.

Schäfer zieht eine positive Bilanz: „Das Geschäft ist angelaufen. Inzwischen beliefern wir Sterne-Restaurants und Privatkunden von Flensburg über Berlin bis Freiburg.“

„Garnelen aus der norddeutschen Tiefebene, das ist einzigartig“, sagt Volkmar Hinz. Er ist in der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für den Fachbereich Fischerei zuständig. „Wir haben in Niedersachsen zwölf derartige Anlagen. Hauptsächlich wird Wels und Aal, aber auch Zander gezüchtet.“

Sieben bis acht Tonnen der tropischen „White Tiger“-Garnele verkauft Schäfer im Jahr. Zwölf bis 14 Tonnen sind das Ziel. Damit wäre die hundertprozentige Auslastung der zehn Becken geschafft, die auf fünf Ebenen angelegt sind. Die Larven werden in die obersten Becken gesetzt und mit zunehmender Größe über ein Rohrsystem nach unten geleitet.

Simulierter Sonnenaufgang

Im Vergleich zu Kühen sind die neuen Bewohner des Schäferschen Grundstücks nicht gerade pflegeleicht. Ändern sich die Lichtverhältnisse abrupt, springen die Garnelen aus dem Becken – es muss ein Sonnenaufgang simuliert werden. Auch neigen sie zum Kannibalismus, wenn nicht genug proteinhaltige Nahrung zugeführt wird.

Im Kühlschrank des Verkaufsraums liegen nur wenige Packungen, aus denen die Garnelen silbrig-grau hervorschimmern. Jeden Morgen wird nur die bestellte Menge geerntet, denn die Ware soll frisch sein. Getötet werden die Tiere mit Eiswasser. „Im Tierschutzgesetz ist die Tötung in kochendem Wasser vorgeschrieben, aber wir haben eine Sondergenehmigung erhalten. Wenn die Garnelen rot sind, ist der Frischeeffekt weg“, so der Unternehmer.

Mit 39 Euro pro Kilo ist das Produkt des Affinghausers um einiges teurer als die Importware aus Asien, die schon ab 18 Euro zu haben ist. Aber Schäfer hat Argumente dafür, etwas tiefer in die Tasche zu greifen: „Da unsere Salzwasser-Becken von Bakterien gereinigt werden, können wir gar keine Desinfektionsmittel oder Medikamente einsetzen, das würde sie abtöten. Unser Produkt ist bio – auch wenn es für Garnelen noch kein Siegel gibt.“ Außerdem betrage die CO2-Bilanz 30 Prozent weniger als die der Importware.

Futter aus Erbsen und Soja

Schäfers ehemalige Lagerhalle wurde mit dem Bremer Ingenieurbüro für Energie- und Umwelttechnik Polyplan und der wissenschaftlichen Unterstützung von Prof. Dr. Addison Lawrence aus Texas umgerüstet. Der Fachmann für Shrimphaltung stellt auch das Futter aus Erbsen, Sojaschrot und einem geringen Anteil Fischmehl nach eigener Rezeptur her.

Die Wasserqualität wird von Prof. Dr. Dieter Steinhagen von der tierärztlichen Hochschule Hannover zweimal jährlich kontrolliert. „Der Betrieb hat ein Zertifikat für Seuchenfreiheit, das regelmäßig erneuert werden muss. Die Garnelen können sich hierzulande quasi nur mit der Weißpünktchenkrankheit infizieren. Wir unterziehen die Tiere regelmäßig mikrobiologischen Untersuchungen. Bis jetzt war alles in Ordnung“, erklärt er.

Auch potenzielle Konkurrenten melden sich bei Heinrich Schäfer für einen Blick in die Anlage an. „Denen kann ich immer nur alles Gute wünschen“, sagt er und lacht.

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