Elisabethgroden - Die Ernte 2016 war zwar gut – doch trotzdem herrscht allgemeine Unmut in der Landwirtschaft. So lautet das abschließende Fazit von Landwirt Ingo Schild, den die NWZ ein Jahr lang begleitet hat. „Wo es für uns in der Landwirtschaft noch hinführen soll, das weiß ich auch nicht“, sagt Schild und hält inne.
Ingo Schild widmet sich auf seinem Hof im Elisabethgroden der Schweinemast. Sein Vater, Hinrich Schild, startete dort mit 45 Kühen und Ackerland. Sohn Ingo Schild fand Schweine aber interessanter. So startete seine berufliche Laufbahn mit 180 Schweinen, heute hat er Platz für 2000 Mastschweine.
Doch das allein reicht nicht. Sein zweites Standbein: Kartoffeln. Auf 20 Hektar baut er Kartoffeln an, darunter auch Speisekartoffeln der Sorte „Belana“. Die Saatkartoffeln verkauft er an zwei große Pflanzkartoffelvertriebe. Die Speisekartoffeln gehen an eine regionale Supermarkt-Kette. „Mit der Kartoffelernte lief auch alles gut“, sagt Schild. Mit Freude stellt er fest, dass viele Menschen bei diesem Produkt auf Regionalität achten.
„Die Kartoffeln haben wir nun aufbereitet und derzeit werden sie noch gelagert.“ Bevor die Kartoffeln in den Verkauf gehen, müssen sie grob nachgelesen werden – das heißt, auf einem Fließband werden schlechte Kartoffeln aussortiert.
Mit Kartoffeln hat Schild kürzlich sogar die Tafel versorgt: Er hatte an der Kampagne des Kreislandvolkvereins Friesland „Wir machen Euch satt“ teilgenommen und einen Teil seiner Ernte abgegeben. „Die Aktion hat sehr viel Freude bereitet und die Resonanz war positiv.“
Schärfere Gesetze
Doch ganz so rosig, wie sich all das anhört, ist die Lage dann doch nicht: „Auch wenn ich mit anderen Landwirten spreche, stelle ich immer wieder fest: es herrscht allgemeiner Unmut und sogar Existenzangst. Das fängt mit den immer schärfer werdenden Gesetzen an – alles wird schwieriger für uns.“
Misstrauisch schaut Schild auch auf das Ceta-Abkommen – das Freihandelsabkommen mit Kanada. „Wenn immer mehr billiges Fleisch aus dem Ausland hierher kommt, dann können wir ja dicht machen.“
Damit das nicht passiert, denkt Schild darüber nach, wie er sich absichern kann. „Vielleicht vergrößere ich die Scheinemast, um mehr Masse zu produzieren. Immer mehr kleinere Betriebe haben ja schon aufgeben müssen“, weiß Schild. Ferkel seien derzeit extrem teuer, so zahle er 75 Euro für ein 28 Kilo-Ferkel. „Mit Futter und Abzügen ist das am Ende fast eine Nullrunde.“
Vielleicht wird die Familie aber auch die Ferienwohnungen ausbauen, die neben dem Hof liegen. Derzeit vermietet sie neun Wohnungen – denkbar wäre, noch einige Blockhütten zu bauen.
Eine dritte Überlegung ist, noch mehr auf den Verkauf von Eiern zu setzen. „Derzeit haben wir etwa 90 Hühner. Wenn wir auf 250 aufstocken, könnten wir frische Eier von Hühnern aus Freilandhaltung direkt vom Hof verkaufen.“ Nachfrage sei da.
Was Schild und anderen Landwirten missfällt: Dass ihr Ruf immer schlechter werde. „Früher warst Du etwas als Bauer. Heute wird ja nur Schlechtes verbreitet.“ Er denkt an schlimme Bilder, die immer wieder durch die Welt gehen, etwa von Schweinen, die blutig, krank und sogar tot im Stall liegen. „Das ist schlimm. So sieht es in den wenigsten Ställen aus – doch viele denken das.“
Ein verzerrtes Bild
Vor allem Menschen in der Stadt mit wenig Kontakt zu Landwirten könnten so ein verzerrtes Bild bekommen. „Da hilft nur: mehr Aufklärung in den Schulen“, findet Schild. Schließlich halte er selbst sich stets an alle Vorgaben. Er ist stolz darauf, dass er in der Schweinemast so gut wie ohne Antibiotika auskommt.
Verärgert ist Schild auch über die provokative Plakatkampagne von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Dort waren Sprüche wie „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Scheinestall zu klein“ zu lesen. „Das geht gar nicht“, meint Schild. „Der eine oder andere mag die Bedeutung gar nicht verstehen. Doch für uns, die betroffen sind, ist das alles andere als gut.“
