Varel - Bürgermeister Gerd-Christian Wagner hat „keine Beschwerden gehört“ und sieht Kreislandwirt Hartmut Seetzen „als guten Mittler zwischen Landwirtschaft und Kommune“. Harmonisch war die Runde im Ratssaal, nachdem Vertreter der Landvolkvereine aus Varel die Erntekrone ins Rathaus getragen hatten. Am Tag vor dem Erntedankfest, der an Sonntag begangen wurde, pflegten die Landwirte den guten Brauch.

Im Ratssaal ging Wagner auf den „Erntedank der Kommunalpolitik“ ein und auf die Entwicklung der Stadt Varel, bevor Seetzen die Situation in der Landwirtschaft schilderte. Die Ernte sei „doch nicht so bescheiden wie der Sommer“ gewesen. Das Gras sei höher als gewöhnlich gewachsen, das Mähen sei bei viel Regen „nur mit viel Bauchgefühl und Glück“ möglich gewesen, „aber das ist eben Landwirtschaft live“.

Beim Getreide seien Ertrag und Schnitt zufriedenstellend gewesen, doch vielfach habe nachgetrocknet werden müssen. Das habe sich zusätzlich negativ auf die ohnehin stark gesunkenen Preise ausgewirkt, „zum Teil konnte nicht einmal die Pacht erwirtschaftet werden“. Ohnehin habe die Preispolitik Betriebe an den Rand ihrer Existenz gebracht. Erstmals hätten auch in der hiesigen Region Höfe aus finanziellen Gründen geschlossen werden müssen: „Noch so ein Jahr wie dieses, dann wird es ganz bitter“, so Seetzen. Er sieht zwar „ein bisschen Licht am Ende des dunklen Tunnels“, kritisierte jedoch, dass nicht alle Banken Überbrückungskredite gewährten. Hoffnung setzte der Kreislandwirt darauf, „dass die Politiker ihre Versprechungen einhalten“.

Seetzen warnte weiter davor, ein großflächiges Biosphärenreservat auszuweisen. Das schränke nicht nur die Landwirtschaft ein, sondern auch die weitere Entwicklung der Stadt, die bei jeder Gewerbeansiedlung mehr Ausgleichsfläche anbieten müsse, die bald nicht mehr vorhanden sei.

Während der Gesprächsrunde im herbstlich geschmückten Ratssaal schnitten die Landwirte auch lokale Themen an – wie das Buswartehäuschen in Seghorn oder die Unterhaltung der landwirtschaftlichen Wege; ein Kritikpunkt war ein Verbindungsweg an der Gemeindegrenze Varel-Bockhorn entlang der Bahnlinie, „der nicht einmal mehr mit dem Fahrrad befahrbar ist“.


Die Erntekrone kann im Foyer des Rathauses bestaunt werden. Eine weitere Erntekrone wurde am nächsten Tag in die Vareler Schlosskirche gebracht; Dank für alle guten Gaben wurde auch in den Gemeindehäusern in Büppel, Dangastermoor und Obenstrohe ausgesprochen.