Neuenwege - Was hält die Wirtschaft im ländlichen Raum am Laufen? Für das Aktionsbündnis Milch Wesermarsch/Friesland/Wilhelmshaven ist die Antwort klar: Die Landwirtschaft. Das machten Landwirte, Landvolk, Landfrauen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft am Donnerstagabend, dem Tag der Milch, bei einer großen Kundgebung auf dem Hof der Familie Seetzen in Neuenwege klar.

„Wir wollen zeigen, was alles an der Landwirtschaft dranhängt“, sagte Manfred Ostendorf, Geschäftsführer der Landvolk-Kreisverbände Wesermarsch und Friesland. Rund 500 Besucher kamen zu der Kundgebung – darunter Vertreter von mehr als 50 Firmen, die in irgendeiner Form mit der Landwirtschaft verknüpft sind, seien es Molkereien, Fleischereien, das Handwerk oder Banken.

Darauf wies auch der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies hin: „Wir sind nicht nur ein Autoland, sondern auch ein Ernährungsland“, sagte er. Selbst der Tourismus hänge von der Landwirtschaft ab, weil die Landschaft ohne die Bauern heute gar nicht so aussehen würde, wie sie es heute tut.

Die Junglandwirte Derk Jürgens, Florian Warnken und Marco Heckert forderten die Chance auf eine wirtschaftliche Zukunft ein. „Wir müssen planen können, damit auch die nächste Generation den Betrieb fortführen kann“, hieß es. Außerdem wünschten sie sich mehr Wertschätzung für ihre Arbeit, schließlich sorgten die Landwirte bereits für mehr Tierwohl und -schutz und für immer bessere Lebensmittel. Aber anstelle von Anerkennung ernte man Beleidigungen. Mobbing gegen Landwirte sei mittlerweile gesellschaftsfähig ergänzten Ellen Kromminga-Jabben und Ute Cornelius, die stellvertretend für die Landfrauen sprachen.

Zu Gast war auch der Rheinländer Landwirt Dr. Willi Kremer-Schillings, der 2015 als „Bauer Willi“ bekannt wurde, nachdem er öffentlich das Verhalten zahlreicher Verbraucher kritisierte. Die hätten zwar hohe Ansprüche an die Landwirtschaft, was Tierschutz und Nahrungsmittelqualität angeht, kauften aber trotzdem lieber billiges Fleisch. „Wer ein Hähnchen für 2,49 Euro kauft, gibt an der Kasse das Recht ab, sich über Massentierhaltung zu beschweren“, erklärte Kremer-Schillings.


Die Landwirtschaft habe sich enorm weiterentwickelt. Bei Menschen, die nichts mit Landwirtschaft zu tun hätten, sei das aber nicht angekommen. Viele hätten noch ein sehr romantisches Bild vom Leben auf dem Bauernhof. „Viele Menschen mögen Landwirte, aber sie mögen nicht unsere Landwirtschaft.“