Oldenburg - Gute Phase für die Landwirtschaft: Die allermeisten Vollerwerbsbetriebe in Niedersachsen arbeiten rentabel. Im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2011/12 (30. März) stiegen die Betriebsergebnisse meist kräftig an und erreichten – im Durchschnitt der Betriebe – Rekordniveau. Im aktuellen Wirtschaftsjahr 2012/2013 ist die Entwicklung in den einzelnen Landwirtschafts-Sparten (wie so häufig) uneinheitlich. Das erläuterte der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK/Oldenburg), Arendt Meyer zu Wehdel, am Donnerstag am Rande einer Kammerversammlung in Oldenburg.

Wie üblich hatten die LWK-Experten mit einer repräsentativen Auswahl von Betrieben das erwirtschaftete Ergebnis (Gewinn) erfasst. 1100 Betriebe wurden ausgewertet. Dies ergab folgendes Bild:

  Im Durchschnitt steigerten Niedersachsens Vollerwerbsbetriebe ihr Betriebsergebnis um 19,3 Prozent auf 67 816 Euro. Diese Summe bedeute „eine angemessene Entlohnung“, kommentierte Meyer zu Wehdel. Arbeitskraft und Kapital würden „adäquat verzinst“, das ermögliche dem Sektor eine „Konsolidierung auf breiter Front“. Allerdings seien die Zahlen je nach Schwerpunkt unterschiedlich.

  Am besten verdienten erneut die Ackerbaubetriebe mit durchschnittlich 87 686 Euro – ein Plus von 19,5 Prozent. Hintergrund sind die deutlich gestiegenen Weltmarktpreise für pflanzliche Produkte wie Getreide.

  Das stärkste Plus schafften die Veredelungsbetriebe (Schweine, Geflügel) von extrem niedrigen Niveau aus: Das durchschnittliche Betriebsergebnis schnellte um fast 83 Prozent auf 59 152 Euro in die Höhe. Bessere Schweine- und Ferkelpreise konnten teureres Futter kompensieren.


Nur die im Nordwesten besonders wichtigen Milchbetriebe (Futterbau) verfehlten der Statistik zufolge ihr „ansprechendes Vorjahresergebnis knapp“ – um 4,9 Prozent auf 68  066 Euro. Als Grund werden u.a. erhebliche Kostensteigerungen genannt.

Am Ende der Skala liegen 2011/2012 die Verbundbetriebe mit mehreren Standbeinen, die von günstigen Trends profitieren konnten (plus 31,8 Prozent auf 57 584) Euro.

Im laufenden neuen Wirtschaftsjahr zeichnet sich ab, dass die Ackerbaubetriebe weiterhin sehr gut dastehen und eine Chance besteht, nochmals höhere Gewinne zu erzielen. „Der Getreidemarkt ist bombenfest“, erläuterten Meyer zu Wehdel und seine Markt- bzw. Betriebsexperten Dr. Albert Hortmann-Scholten und Rainer Fricke. Hintergrund sei die weltweit starke Nachfrage, auch angesichts der Dürren in einigen Staaten.

Bei den Milchbauern seien die jüngsten Preisanhebungen der Molkereien noch nicht in Form höherer Einnahmen angekommen, die Kosten stiegen aber. In der Veredelung hätten die Preise angezogen, der Export laufe gut, die Überversorgung gehe zurück. Aber zugleich seien die „Futterkosten deutlich nach oben gelaufen“. Hortmann-Scholten wies darauf hin, dass Betriebe mit steigenden Umweltkosten (z.B. Luftreinigung) rechnen müssten. Zugleich ist in der Veredelung der Anteil der Förderung (Betriebsprämie) am Betriebsergebnis mit 27 Prozent am geringsten. Den Durchschnitt gab Fricke mit 42 Prozent an.

Kammerdirektor Hans-Joachim Harms betonte, dass Themen wie Ausbildung und Nachhaltigkeit immer mehr in der Mittelpunkt der Kammer-Arbeit rückten. Man begleite fachlich intensiv die Debatten um Tierschutz und Haltungsformen und setze die „Verbringungsverordnung“ um. Als erstes sei eine Datenbank entwickelt worden, die die „verbrachten Nährstoffe“ erfasse. Auch am Wasserschutz arbeite man mit, etwa mit Zusatzberatung für Landwirte.

Die Zahl der Auszubildenden in den 14 „grünen Berufen“ sei mit 6050 auf „erfreulich hohem Niveau“, so Harms. Zur Sicherung der Hofnachfolge laufe die Aktion „Talente gesucht“.

Laut Harms ist die LWK jetzt auch am Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven präsent. Man habe dort eine „Grenz-Einlassstelle für die Kontrolle von Pflanzenimporten eingerichtet“. Zwei bis drei Mitarbeiter seien vor Ort, um gemeinsam mit den Veterinärbehörden Importkontrollen vorzunehmen.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)