Wardenburg - Die Zeiten, in denen Landwirte mit ihren schweren Fahrzeugen auch auf Gemeindestraßen mit Tonnagebeschränkung ungehindert fahren konnten, sind möglicherweise bald vorbei. Die Gemeinde Wardenburg plant, die Zusatzschilder „Landwirtschaftlicher Verkehr frei“ abzubauen.
Landwirte, aber auch Futtermittellieferanten, Milchtankwagen und Lohnunternehmer müssten dann kostenpflichtig Ausnahmegenehmigungen beantragen: die Skala reicht von 192 Euro (für Fahrzeuge bis zehn Tonnen) bis 767 Euro (40 Tonnen). Das Geld, so heißt es aus dem Rathaus, solle unmittelbar für den Erhalt des gemeindeeigenen Straßennetzes verwendet werden. Die Verwaltung geht von jährlich 300 Genehmigungen und Mehreinnahmen von 225 000 Euro aus.
Wardenburg hätte mit diesem Plan offensichtlich eine Vorreiterrolle inne. Der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und dem Kreislandvolk Oldenburg sind vergleichbare Schritte anderer Kommunen nicht bekannt. Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandvolks, ist skeptisch und warnt vor vorschnellen Entscheidungen. Straßensanierung koste viel Geld und Landwirte seien sicher auch ein Teil der Verursacher, räumt er ein. „Sich nur eine Berufsgruppe herauszupicken, halte ich allerdings für falsch.“
Martin Vaupel, bei der Landwirtschaftskammer für den Fachbereich Landtechnik und Fahrzeuge im Verkehr zuständig, sieht in der Zahlung für Ausnahmegenehmigungen dagegen auch eine Chance für die Landwirte. So werde ganz klar dokumentiert, dass die Landwirtschaft sich an den sozialen Kosten beteilige.
Die Gemeinde erinnert in ihrer Beschlussvorlage daran, dass beispielsweise Speditionen schon lange für das Befahren gewichtsbeschränkter Straßen über eine gebührenpflichtige Ausnahmegenehmigung zahlen.
Die Gewichtsbeschränkung gilt für jedes Fahrzeug extra, das heißt, Traktor und Anhänger werden mit ihrem Gewicht einzeln berechnet. Kleinere Zugmaschinen, wie sie beispielsweise häufig bei den traditionsreichen Erntefestumzügen eingesetzt werden, wiegen in der Regel weniger als 3,5 Tonnen, ebenso ihre Anhänger. „Die Umzüge haben keine negativen Konsequenzen zu fürchten“, ist Bürgermeisterin Martina Noske sicher.
Moderne Großtraktoren wie der Fendt 939 oder John Deere 9560R erreichen dagegen heute bereits ein Leergewicht von elf bis 19 Tonnen und kosten in der Grundausstattung zwischen 315 000 bis 360 000 Euro.
