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Energiewende „Landwirte und Stadt sind Gewinner“

Horst Lohe

Grebswarden - Sowohl die beiden Nordenhamer Landwirte Bernd Böschen (47) und Hermann Engelbart (44) als auch die Stadt Nordenham seien die Gewinner dieses Unternehmens. Das sagte Bürgermeister Hans Francksen anlässlich eines Tages der offenen Tür auf der Biogasanlage der beiden Landwirte in Grebswarden.

Seit Dezember 2011 ist die Anlage im Betrieb. Seit den Herbstferien vergangenen Jahres versorgt sie über isolierte Rohre das Hallenbad Nord und die Sporthalle Am Luisenhof in etwa 350 Meter Entfernung mit Fernwärme. Die dortigen Heizungsanlagen werden nicht mehr benötigt. Somit entfallen dafür Unterhaltungs- und Erneuerungskosten. Die Stadt musste lediglich die für die Fernwärme nötige Regeltechnik installieren. „Die Heizkosten sind für uns seither deutlich niedriger“, sagt Bürgermeister Hans Francksen.

Seit Frühjahr dieses Jahres gibt die Biogasanlage auch überschüssige Wärme an die vom Landkreis getragene Hauptschule und Realschule Am Luisenhof ab, kann den dortigen Wärmebedarf jedoch nicht voll abdecken, so dass die Heizungsanlage der Schule weiterhin nötig bleibt.

Die Wärme ist ein Abfallprodukt der Biogasanlage, das bei der Kühlung der beiden Motoren des Blockheizkraftwerkes entsteht.

Für 1000 Haushalte

Haupteinnahmequelle der beiden Landwirte beim Betrieb der Biogasanlage ist die Einspeisung des erzeugten Stroms ins Netz. Die beiden Motoren des Blockheizkraftwerks haben eine Nennleistung von jeweils 250 KW. Jährlich werden vier Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Damit könnten 1000 bis 1200 Haushalte versorgt werden.


Nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) muss eine Biogasanlage zu mindestens 30 Prozent mit Gülle gespeist werden. Bei der Anlage von Bernd Böschen und Hermann Engelbart sind es 32 bis 33 Prozent. Der Anteil der verwerteten Grassilage beträgt 50 bis 55 Prozent. Der Rest setzt sich auch Mist und aus Mais zusammen. „Wir versuchen, vom Mais wegzukommen und noch mehr Gras zu verwenden“, sagt Bernd Böschen.

Die Idee, in eine Biogasanlage zu investieren, hatten die beiden Landwirte, weil auf ihren Grünland-Flächen mehr Grasschnitt anfiel, als sie für ihre Milchviehbetriebe als Futter benötigten. Vom Abfallprodukt Wärme verkaufen sie zurzeit etwa ein Drittel als Fernwärme. Einen Teil benötigen sie als Prozesswärme. Über Verwendungsmöglichkeiten von überschüssiger Wärme im Sommer – etwa zur Holz- oder Getreidetrocknung – denken sie nach.

Die Biogasanlage erstreckt sich über 1,3 Hektar in Grebswarden. Die beiden Landwirte haben einen Betriebsleiter eingestellt. Mit Angaben über die Investitionskosten halten sie sich bedeckt.

Sie und Bürgermeister Hans Francksen wiesen beim Tag der offenen Tür Befürchtungen als unbegründet zurück, wonach es für Bürger in Einswarden und Blexen zu erheblichen Geruchsbelästigungen kommen könnte. Belästigungen träten lediglich bei Öffnung der Planen der Grassilage zur Entnahme auf. Solche Gerüche gebe es aber auf jedem Bauernhof mit Grassilage.

Kein Güllegeruch

Im Gegensatz zu anderen Betrieben werde in Grebswarden keine Gülle aufs Land aufgebracht. Somit entfalle der Güllegeruch. Das Substrat, welches am Ende des Gärprozesses der Biogasanlage übrig bleibt, könne als hochwertiger Dünger auch in der Nähe von Wohnbebauung ausgebracht werden, weil es süßlich-erdig rieche. Zudem werde der Dünger möglichst mit Schleppschuhverteiler ausgebracht.

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