Ohrwege - „Bauern in Deutschland brauchen ein dickes Fell oder ein Übermaß an Toleranz.“ Hart ins Gericht ging Manfred Gerken, frisch im Amt bestätigter Vorsitzender des Ammerländer Landvolkverbandes am Mittwoch mit Politik und Kirche. Aufforderungen aus diesen Kreisen zum Produktions- und Exportverzicht zeugten von der Unwissenheit der „Ratgeber“, sagte er auf der Generalversammlung im „Ohrweger Krug“, zu der auch Ammerlands stellvertretender Landrat Rüdiger Kramer, Bürgermeister oder ihre Stellvertreter aus allen beteiligten Kommunen sowie Vertreter weiterer Organisationen und Unternehmen gekommen waren. Gerken: „Wenn wir weniger produzieren, saugen wir das aus aller Welt ab.“ Hungernden Bauern in Paraguay sei dadurch nicht geholfen.
Vielmehr hätten gerade die Bauern auf „Gunststandorten“ die Pflicht, für die Welternährung zu sorgen. Politisch gehe es derzeit aber allein um eine „Verhinderungspolitik“: weniger produzieren und keine neuen Ställe.
Hinzu käme, dass die Politik ständig neue Forderungen habe und sich neue Auflagen ausdenke. „Spionagekameras in den Ställen, wie heute in den Zeitungen zu lesen war, sind die Spitze.“ Er prangerte den verbreiteten „Generalverdacht gegen Landwirte“ und einen „Kontrollstaat hoch zehn“ an. Zumindest in einem Punkt wünsche er sich deshalb eine Agrarwende: „Bei der Bürokratie möchte ich die alten Zeiten wiederhaben.“
Trotz alledem hätten die europäische Landwirtschaft und gerade auch die deutschen Bauern große Chancen: In Zukunft wird die Welt noch mehr von unseren Erzeugnissen brauchen.“ Dies müsse auch mit der gebotenen Offenheit geschehen: „Unserer Nachbarn haben Ängste. Die müssen wir beachten. Wir haben nichts zu verbergen, wir leisten gute Arbeit. Wir müssen aber auch dafür sorgen, dass die Menschen verstehen, was wir machen.“
Über diese „Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Konsument, Romantik und Realität“ sprach anschließend Georg Keckl vom Landesamt für Statistik.
Zuvor hatten die anwesenden Landwirte Manfred Gerken einstimmig für weitere drei Jahre im Amt bestätigt. „Eigentlich wollte ich mal neun Jahre machen“, berichtete er. Mittlerweile ist der 18 Jahre Vorsitzender des Landvolkverbandes. Zudem wurden in den Gesamtvorstand gewählt: Curt von Seggern (Wiefelstede), Frerk Wemken (Bad Zwischenahn), Fred Eilers (Rastede), Ingo Lüers (Apen), Manfred Säfken (Zetel), Jürgen Rathkamp (Varel) und Klausjan Meinen (Bockhorn). Ausgeschieden sind Heiner Eilers (Bockhorn) und Claus Tönjes (Zetel). Geehrt wurden zudem der frühere Geschäftsführer Hans-Jürgen Schröder (40 Jahre), Holger Schliep (30 Jahre) und Rolf Kruse (20 Jahre).
