Abbehausen - Wenn Harald und Annette Düser gelegentlich mit all ihren fünf Kindern Jan Dirk, Jana, Johanna, Jakob und Ida sowie mit ihrem Helfer Detlef Jacobs und den beiden Praktikanten Jannik Prietzel und Chris Richter gemeinsam am Frühstückstisch zusammensitzen und den Tag besprechen, sind sie zwar viele. Das Büfett am Sonntagmorgen sprengte dann aber doch jeden Rahmen: Die Familie Düser hatte 41 Frühstücksgäste zu sich auf den Hof in der Abbehauser Wisch eingeladen, dem allerletzten Haus übrigens an der Grenze zu Butjadingen.
Hinter dieser Offerte stand die Idee, wie Harald Düser sagte, „der Entfremdung von der Landwirtschaft“ entgegen zu treten. Es sei natürlich nur ein kleiner Schritt, doch auch kleine Schritte seien wichtig. Denn die Anonymität in den Supermärkten lasse den Bezug zu Nahrungsmitteln immer mehr verloren gehen. Sogar bei den Dorfkindern fange dies schon an.
Früher hatte Harald Düser deshalb regelmäßig Grundschulen und Kindergärten zum Hofbesuch eingeladen. Die Kinder konnten Kühe anfassen, melken und Milch trinken. Doch die Resonanz auf dieses Angebot ist immer mauer geworden und der Kontakt schließlich abgebrochen. Mit der jetzigen Aktion „Frühstück sucht Gast“, die von dem Kreislandfrauen- und dem Kreislandvolkverband unterstützt wird und parallel an fünf weiteren Höfen in der Wesermarsch stattfand, wollte die Familie Düser wieder Flagge zeigen und in Sachen Landwirtschaft einmal Klartext reden.
Vorurteile ausräumen
Es ging auch darum, Vorurteile auszuräumen: „Die Landwirtschaft in der Wesermarsch ist eine absolut naturverträgliche Landwirtschaft und wird sehr nachhaltig betrieben“, betonte Harald Düser. Es gebe hier keine Massenbetriebe und kein Gülleproblem. Und die Tierhaltung sei artgerecht. Weil die Betriebsabläufe von Hof zu Hof anders seien, werde auch zu unterschiedlichen Zeiten gemäht, so dass Wildtiere immer ein Rückzugsgebiet finden könnten. Deshalb wachse auch stetig die Population an Rehen und Hasen.
Eigentlich sei die Landwirtschaft in der Wesermarsch eine Landwirtschaft, wie sie sich der Verbraucher wünsche, sagte Harald Düser. Die viel diskutierte Verschärfung von Verordnungen brauche man hier nicht, denn im Grunde sei ja schon alles geregelt. Zusätzliche Vorschriften würden indes nur Vorhandenes zerstören, und in letzter Konsequenz würden nur die großen Betriebe dann profitieren.
Wenn Harald Düser redet, ist zu spüren, dass er Landwirt mit Leib und Seele ist. Nach der Schule hatte er zwar zunächst eine Lehre zum Tischler gemacht, doch dann erinnerte er sich an seine Jugendträume und schulte auf Landwirtschaftsmeister um. Auch seine Frau Annette hat ihren früher einmal erlernten Beruf als Einzelhandelskauffrau längst an den Nagel gehängt und hält im Hintergrund als „gute Seele des Hofes“ heute „im letzten Haus am Stadtrand“ alle Fäden zusammen. Seit 1999 bewirtschaften beide den Hof auf 100 Hektar Grünland mit derzeit rund 100 Stück Milchvieh und 150 Jungtieren. Vor ein paar Jahren stieg auch ihr Ältester, Jan Dirk (27), mit ein.
Regionale Produkte
Ebenfalls zum Hof gehören vier Ponys, freilaufende Hühner, Enten und Gänse sowie mehrere Meerschweinchen. Für die Düsers und ihre Helfer war es am Sonntag natürlich eine Herzensangelegenheit, dies alles nach dem üppigen Frühstücksmahl, bei dem es ausschließlich regionale Produkte gab, ihren 41 Gästen zu zeigen und im Gespräch Rede und Antwort zu stehen. Dass das Wetter dabei nicht so wirklich mitspielte, störte sie nicht: „Regen ist unser Reichtum“, sagte Harald Düser, „ohne ihn würden wir vermutlich hungern wie die Menschen in Afrika.“
