Norderseefeld - Eigentlich hatte Folkert Fittje die CDU schon hinter sich. Wegen der Milchpreispolitik war der Landwirt aus der Union ausgetreten. Doch als CDU-Fraktionschef Günter Busch ihn vor einem Jahr fragte, ob er sich bei den Christdemokraten um einen Ratssitz bewerben wolle, sagte der Norderseefelder nach kurzer Bedenkzeit ja.

„Die Landwirtschaft liegt mir am Herzen und ich wollte, dass sie im Rat vertreten ist“, begründet Folkert Fittje seinen Schritt. Jetzt gehören sogar drei Bauern dem Rat an – allesamt in der CDU-Fraktion. Folkert Fittje stellte gegenüber Günter Busch aber klar, dass er keinen Wahlkampf betreiben werde: „Entweder die Leute wählen mich, weil sie mich kennen – oder nicht.“ Deshalb ist der 37-Jährige nicht wenig stolz auf seine 139 Stimmen.

Fittjes Familie stammt aus dem Jeverland. Sein Großvater August pachtete vor gut 60 Jahren die 70-Hektar-Domäne Norderseefeld, sein Vater Gerd baute sie aus – unter anderem, indem er einen Laufstall errichtete.

2008 kaufte die Familie den Betrieb, 2011 baute Folkert Fittje eine Biogasanlage mit 250-Kilowatt-Blockheizkraftwerk; der Strom fließt komplett an die EWE, die Abwärme heizt Haus und Werkstatt und entwässert die Gärreste, die als Dünger ausgebracht werden. Inzwischen gehören 170 Hektar Land zum Hof – je zur Hälfte Grünland und Ackerland mit Winterweizen, Mais und Grasvermehrung.

Als die Milchpreise 2015 in den Sinkflug übergingen und gleichzeitig eine neue Melkanlage her musste, blieb dem Landwirt nur eine Entscheidung: Er stieg aus der Milcherzeugung aus, verkaufte die 120 Kühe und begann mit der Aufzucht von Jungtieren im Auftrag eines Bauern in Großenkneten (Kreis Oldenburg). Er nimmt die Kuhkälber mit 13 oder 14 Wochen und gibt sie kurz vor dem ersten Kalben – mit knapp zwei Jahren – wieder ab. Zudem bietet er Lohnarbeiten an.


Auf dem Hof wohnt Folkert Fittje mit seiner Frau Mareile (36) und seinen Töchtern Fenna (6) und Jeste (3). Er beschäftigt einen Angestellten, einen Lehrling und auch eine Hauswirtschafterin, weil seine Frau ganztags als Herdenmanagerin auf einem Nachbarhof arbeitet.

Mit Parteien ist Folkert Fittje weiterhin vorsichtig: „Meinetwegen brauchte es keine zu geben.“ Aber nach den jüngsten Attacken von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Umweltminister Christian Meyer (Grüne) auf Bauern kann er sich doch vorstellen, wieder in die CDU einzutreten.

Den Vorstoß von Bürgermeister Klaus Rübesamen (SPD), die Grundsteuern auf 600 Prozent anzuheben, findet Fittje „mutig“; aber nur mit moderaten Erhöhungen kann er sich anfreunden. Schmerzhafte Schnitte seien zur Sanierung des Haushalts nicht zu vermeiden. Es dürfe aber nicht kaputtgespart werden werden, sagt er, das räche sich. Durch Neuansiedlungen und mehr Windkraft müssten mehr Steuern in die Kassen kommen. Das Nein der Mehrheit zu neuen Windparks kann Folkert Fittje nicht verstehen.

Generell will er im Rat seine Umfangsform nicht ändern, wie er betont: „Nett, freundlich, aber anstrengend. Damit bin ich bisher am weitesten gekommen.“

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland