Jever - Das Ende der Milchquote und liberalisierte Märkte, das „nicht zu Ende gedachte“ Landesraumordnungsprogramm und eine Fülle von Verordnungen und Gesetzen, die Landwirten das Leben erschweren: Niedersachsens Landvolk-Präsident Werner Hilse hat als Redner auf dem Agrar-Forum der Volksbank Jever eine Fülle von Themen angeschnitten.

Einer, der im Vortrag Hilses überhaupt nicht gut wegkam, war Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer von den Grünen: Der bremse mit seiner von Ideologien geprägten Politik die Bauern aus und habe bisher für die Landwirte überhaupt nichts erreicht. Als ein Beispiel nannte Hilse die Debatte um den Moorschutz, der die Weiterentwicklung der Landwirtschaft behindere.

Hilse vertraut den Selbstheilungskräften des Marktes und machte klar: „Wenn vorne kein Geld verdient wird, dann können die ihren ganzen ideologischen Quatsch vergessen.“ Zur freien Marktwirtschaft gehörten auch mal Schweißperlen auf der Stirn, erklärte der Landvolk-Präsident zu möglichen Preisschwankungen. Nationale Märkte seien in der vernetzten Welt ohnehin nicht mehr möglich, so Hilse. „Liberalisierte Märkte schaffen mehr Chancen und eine steigende Nachfrage, damit auch steigende Preise und bessere Erträge für die Landwirte.“ Das Gegenteil wären staatlich regulierte Märkte. „Aber das hat noch nie gut funktioniert.“

Hilse fordert zudem mehr Anerkennung für die Landwirte ein: „Wir sind weder Tierquäler, noch vergiften wir unsere Äcker und Gewässer. Eine nachhaltige Landwirtschaft ist in unserem eigenen Interesse“, so der Landvolk-Präsident. Er nannte zudem Zahlen, dass trotz der wachsenden Zahl von Menschen, die sich hierzulande vegetarisch oder vegan ernährten, der Fleischverbrauch in der Summe keineswegs gesunken sei. Auch der Anteil von Biofleisch sei deutlich geringer, als viele vermuteten: Dessen Anteil liege bei gerade mal einem Prozent.

Rund 60 Gäste, die meisten aus der hiesigen Landwirtschaft, hatten sich zum Bauernfrühstück der Volksbank eingefunden und diskutierten mit ihrem Verbandschef Fragen von Grünlandschutz und Weidetierhaltung, zu Entwicklungen des Milchpreises und Produktivität in der Landwirtschaft.


Und es ging um die Diskrepanz zwischen der von der Politik ideologisierten Landwirtschaft und dem tatsächlichen Verhalten der Verbraucher, die nach wie vor zuallererst auf den Preis der Lebensmittel achten.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever