Hamburg - Das Hamburger Landgericht hat den früheren Chef der Fondsgesellschaft Wölbern Invest wegen gewerbsmäßiger Untreue zu einer Haftstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt. Der Arzt und Unternehmer Heinrich Maria S. (61) habe in 327 Fällen mehr als 147 Millionen Euro aus dem Vermögen zahlreicher geschlossener Immobilienfonds abgezogen, ohne dazu berechtigt gewesen zu sein, sagte der Vorsitzende Richter der Großen Strafkammer am Montag.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Verteidiger Wolf Römmig kündigte Revision beim Bundesgerichtshof an.
Von den 147 Millionen Euro soll S. nach Darstellung des Vorsitzenden Richters Peter Rühle 50 Millionen privat vereinnahmt haben. Den Rest habe er in Gesellschaften umgeleitet, an denen er selbst beteiligt oder deren Geschäftsführer er gewesen sei. Verschwunden sind den Angaben zufolge 115 Millionen Euro aus 31 Fonds.
Der Angeklagte habe mehr als 28 Millionen Euro an abgeschöpftem Geld in private Beteiligungen umgeleitet. Weitere Millionenbeträge habe er in sein Haus im noblen Hamburger Westen gesteckt oder für seine aufwendige Lebensführung mit Yacht und Reisen genutzt. „Er verfügte über Fondsgelder so, als wenn sie ihm gehörten“, sagte Rühle.
Für insgesamt 23 Immobilienfonds hatte zu Beginn vergangenen Jahres die Hamburger Paribus-Gruppe das Management übernommen, für die übrigen Wölbern-Fonds treuhänderisch die Aufsicht. Bei der Stabilisierung der Fondsgesellschaften sei man vorangekommen, hatte Paribus gemeldet. Einige der Fonds seien aber nicht mehr zu retten gewesen. Wie groß der Schaden am Ende ausfallen könnte, ist nicht klar. Betroffen sind rund 35 000 Anleger, die etwa 1,1 Milliarden Euro investiert haben.
Strafmildernd wertete die Strafkammer die Verdienste des Angeklagten als Medizinprofessor. Zudem habe er von den 147 Millionen Euro mehr als 31 Millionen zurückgezahlt.
