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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Fluglotsen händeringend gesucht

13.03.2019

Langen /Frankfurt /Bremen Die Deutsche Flugsicherung (DFS) sucht auf vielen Wegen nach zusätzlichen Fluglotsen, um erneute Engpässe am deutschen Himmel im kommenden Sommer zu verhindern. Man werde die eigenen Ausbildungskapazitäten erhöhen und habe bei benachbarten Flugsicherungen angefragt, ob dort Ausbildungsplätze angeboten werden könnten, sagte der Vorsitzende der DFS-Geschäftsführung, Klaus-Dieter Scheurle, in Langen bei Frankfurt. Zusätzlich habe man rund 30 fertig ausgebildete Lotsen aus anderen Ländern angeworben, die gerade noch ihre Lizenzen für die jeweiligen Lufträume in Deutschland erwerben müssten.

Die DFS mit ihren rund 2000 Lotsen war nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr für 22 Prozent der flugsicherungsbedingten Verspätungen in Europa verantwortlich. Der deutsche Luftraum mache zwar nur rund 3,5 Prozent des Luftraums aus, müsse aber 30 Prozent des Verkehrsaufkommens bewältigen, erläuterte Scheurle.

Besonders eng geht es in dem von Karlsruhe aus gesteuerten oberen Luftraum zu. Dort sind die Hauptverkehrsstrecken in Stoßzeiten so voll, dass die Flieger von deutschen Flughäfen zum Teil nicht mehr in die großen Höhen gelassen werden können. „Bestimmte Sektoren sind immer häufiger einfach dicht“, beschreibt Scheurle die Lage. Ein wesentlicher Grund seien auch kurzfristige Abweichungen von den ursprünglichen Flugplänen. Ein Drittel der Überflüge komme letztlich unerwartet, weil die Piloten von ihren zunächst angemeldeten Plänen abweichen. Dieser Anteil müsse verringert werden, um eine bessere Personalplanung zu ermöglichen, sagte der DFS-Chef.

Im vergangenen Jahr hatte es im deutschen Luftraum mit 3,4 Millionen Flugbewegungen einen in diesem Ausmaß nicht erwarteten Rekordwert mit einer Steigerung von 4,4 Prozent gegeben. „Ich rechne im laufenden Jahr mit einer erneuten Steigerung um bis zu vier Prozent. Im Jahr 2025 sind wir dann bei über 3,9 Millionen Flugbewegungen und bekommen echte Probleme“, sagte der Chef der bundeseigenen GmbH. „Da kommt jedes Jahr ein Aufkommen wie am Stuttgarter Flughafen von mehr als 130 000 Flugbewegungen dazu.“

Laut Scheurle konnte mit der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) eine Einigung über zusätzliche Überstunden bis jetzt noch nicht erzielt werden. Nach Scheurles Einschätzung werden im Sommer rund 90 Lotsen in den deutschen Centern für die erwarteten Verkehrsmengen fehlen. Unter anderem habe man auch bei der Personalplanung gesellschaftliche Entwicklungen etwa zu mehr Teilzeit und Elternzeit unterschätzt. Die eigene Akademie werde im kommenden Jahr 146 statt der bislang 120 Berufsanfänger aufnehmen können.

Die Ausbildung ist anspruchsvoll. Längst nicht jeder besteht den Eignungstest.

Ein wichtiger Standort der Flugsicherung ist in Bremen. Von hier aus wird der norddeutsche Luftraum von Kassel bis zur Ost- und Nordsee überwacht, mit dabei sind die Flughäfen Berlin, Hannover und Hamburg – pro Jahr rund 600 000 Flugbewegungen.

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