LANGEN - Milch macht müde Männer munter. Die alte Werbeweisheit der Milchwirtschaft scheint in Langen (Kreis Cuxhaven) noch ihre Berechtigung zu haben. Zumindest sind es auffallend viele Männer, die morgens auf dem Weg zur Arbeit im Hafen zum Boxenstopp am Bauernhof der Familie Müller bremsen.

Als einer der ersten landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen haben die Müllers eine Milchtankstelle eröffnet. „Rohmilch direkt vom Hof schmeckt doch viel besser als das Zeug aus den Pappkartons, auch wenn sie aus dem Automaten kommt“, sagt einer, der im Blaumann die Milchkanne schwenkend vom „Muhkuhmaten“ kommt.

Der ungewöhnliche Vermarktungsweg für die Produkte ihres Milchviehbetriebes war für die Müllers allerdings keine Geschmacksfrage, sondern blanke wirtschaftliche Notwendigkeit. „Als der Milchpreis in den Keller rutschte, haben wir nach Möglichkeiten gesucht, auskömmliche Einnahmen zu erzielen“, sagt Bäuerin Meike Müller. Gemeinsam mit ihrem Mann stieß sie auf einem Bauernhof in Ostwestfalen auf die Lösung – den „Muhkuhmaten“. An diesem Gerät können die Kunden Milch in nahezu jeder beliebigen Menge in mitgebrachte Gefäße zapfen. „Die Milch wird jeden Tag frisch gemolken, was bis abends nicht verkauft wurde, verfüttern wir dann an unsere Kälber“, erläutert Müller.

Der „Muhkuhmat“ wird bedient wie ein Zigarettenautomat: Geld einwerfen, Sorte wählen. „Und dann muss man vorsichtig zapfen“, erläutert ein Kunde: „Frische Milch schäumt genauso stark wie ein Bier.“ Das Besondere an dem Gerät in Langen: Der Automat spuckt auf Wunsch auch frische Eier sowie Kartoffeln im 2,5-Kilo-Beutel aus. „Wir haben diese Kombination eigens für uns entwickeln lassen“, berichtet Müller.

Der automatisierte Verkauf hat seinen Grund: „Ein personalintensiver Hofladen rechnet sich nicht“, meint Müller, „wenn Sie die Ware einfach auf den Tisch legen mit einer Spardose daneben, können Sie sie gleich verschenken.“


Milchtankstellen wie auf dem Hof bei Bremerhaven gelten als neueste Vermarktungsstrategie unter Bauern, bestätigt Harry Fritsch von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft.

Der Unterschied hat seinen Preis: In Langen kostet der Liter Rohmilch auf dem Bauernhof 80 Cent, die Massenware im nächsten Supermarkt dagegen 55 Cent. „Der Unterschied ist gar nicht so groß, dafür bekomme ich aber viel mehr Geschmack“, sagt der Hafenarbeiter.