LANGWARDEN - Als Anke Fels am Donnerstagmorgen um 5 Uhr den Sonnenaufgang über dem Langwarder Groden genießen wollte, staunte sie nicht schlecht: Im Idyll zwischen den Deichen haben Baumaschinen mit ihrer Arbeit begonnen.
Zusage nicht eingehalten
„Das ist eigentlich keine Überraschung“, sagt Bürgermeister Rolf Blumenberg auf Anfrage derNWZ
, „aber es wäre schön gewesen, wenn die Jade-Weser-Port-Realisierungsgesellschaft vorher mit uns darüber gesprochen hätte.“ Genauso sieht es auch Anke Fels, die zusammen mit ihrem Mann Jürgen Sprickerhof dem Förderverein Langwarder Groden angehört: „Das Gespräch, das uns vor dem Baubeginn zugesagt wurde, hat nicht stattgefunden.“Es wurde am Donnerstagnachmittag nachgeholt, als sich Blumenberg, der Vorsitzende des Fördervereins Langwarder Groden, Dieter Brockhoff, und der Oberbauleiter Jörg Hummels an der Baustelle trafen. Blumenberg mahnte mehr Transparenz an.
Bei der Realisierungsgesellschaft in Wilhelmshaven ist Johann Ehmen für das Ausgleichsvorhaben zuständig. Der stellvertretende Projektleiter für Wasserbau sagt, die Umweltverbände hätten Druck ausgeübt, dass mit dem Ausgleichsvorhaben endlich begonnen wird. Immerhin hatten die Verbände ihre Bereitschaft erklärt, den Planfeststellungsbeschluss von 1998, der die komplette Schleifung des Vordeiches vorsieht, so zu überarbeiten, dass nur 800 Meter des 4,2 Kilometer langen Deiches geschleift werden müssen. Dafür erwarteten sie, dass jetzt auch die Arbeiten beginnen.
Bevor der Vordeich zum Teil abgetragen wird, muss aber der Hauptdeich verstärkt werden. Das war die Bedingung des II. Oldenburgischen Deichbandes für seine Zustimmung zur Veränderung des Planfeststellungsbeschlusses.
Dafür wird zunächst der rund 3 Kilometer lange Deichsicherungsweg am Hauptdeich so ertüchtigt, dass er schwere Baumaschinen aufnehmen kann. Schon jetzt werden weitere Baustraßen in den Groden hineingebaut, auf denen deichbaufähige Erde zum Hauptdeich gefahren werden kann. Mehr als 300 000 Kubikmeter Klei sollen dem Groden bis zum Spätsommer 2014 entnommen und auf dem Hauptdeich verbaut werden.
Die jetzige Abdeckung des Hauptdeiches gilt als zu schwach. Sie wird in drei Bauabschnitten abgetragen und durch eine neue, wesentlich stärkere Kleiabdeckung ersetzt. In diesem Jahr sollen die Arbeiten im Westen des Grodens beginnen; 1,2 Kilometer Deich werden erneuert. Der abgetragene Klei – bis 2014 etwa 70 000 Kubikmeter – wird in den Bereichen des Grodens verbaut, aus denen Klei entnommen worden ist.
Erst wenn Anfang 2014 der neue Planfeststellungsbeschluss rechtsverbindlich ist und sich klar abzeichnet, dass der Hauptdeich bis zum Herbst so ertüchtigt ist, dass er den Herbst- und Winterstürmen trotzen kann, beginnt der Rückbau des Vordeiches. Das gesamte Ausgleichsvorhaben soll bis zum Herbst 2014 abgeschlossen sein, sagt Johann Ehmen.
Knapp 10 Millionen Euro
Die reinen Planungs- und Baukosten beziffert der stellvertretende Projektleiter auf „weniger als 10 Millionen Euro“. Sie werden je zur Hälfte von der Realisierungsgesellschaft und zu je einem Viertel vom II. und vom III. Oldenburgischen Deichband aufgebracht, die beide Umwelteingriffe durch Deichbauprojekte aus ausgleichen müssen. Über den genauen Finanzierungsschlüssel müsse aber noch gesprochen werden, sagte Ehmen. Nicht im Preis enthalten sind etwa der Naturerlebnispfad, den das niedersächsische Umweltministerium bezahlt, und die Überwachung des teilweise vernässten Grodens.
Wie der CDU-Landtagsabgeordnete Björn Thümler sagt, wird, während die Arbeiten schon begonnen haben, noch an der Veränderung des Planfeststellungsbeschlusses gearbeitet; formal gilt weiter der Beschluss von 1998. Thümler hatte den jetzigen Kompromiss vermittelt.
