LASTRUP/HAMBURG/HANNOVER - LASTRUP/HAMBURG/HANNOVER/FJH/DPA - Mit der ebenso dreisten wie falschen Behauptung, die Staatsanwaltschaft Oldenburg habe die Ware freigegeben, hat sich der Fleischhändler Alfons Bünnemeyer aus Lastrup (Kreis Cloppenburg) nach Angaben der Justiz beschlagnahmtes Gammelfleisch aus seinem Betrieb wiederbeschafft, das in einem Hamburger Kühlhaus gelagert war. Die Behörden gehen davon aus, dass der mittlerweile inhaftierte Unternehmer ohne Lizenz 30 Tonnen Fleisch in den Handel gebracht hat.
Gegen den 46-Jährigen liegen drei Anklagen vor, eine vierte soll nach dem jüngsten Coup folgen. Die Fahnder ermitteln wegen gewerbsmäßigen Betrugs, Verstößen gegen das Lebensmittelgesetz und des Verdachts der Konkursverschleppung.
Im niedersächsischen Landtag ist derweil ein Streit um die Lebensmittelkontrollen entbrannt. Agrarminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) sagte gestern bei der Sitzung: „Niedersachsen geht ganz konsequent gegen Kriminelle in der Fleischbranche vor.“ Die Staatsanwaltschaft in Oldenburg, die speziell Machenschaften in der Lebensmittel-Branche nachgeht, habe dies mit der Verhaftung des Fleischhändlers bewiesen.
Der Grünen-Abgeordnete Hans-Jürgen Klein kritisierte: „Dass sich Niedersachsen als Musterknabe hinstellen will, ist dreist.“ Das Kontrollsystem ist aus Sicht der Opposition nicht effizient genug. Die SPD-Abgeordnete Karin Stief-Kreihe kritisierte: „Wir wollen keine markigen Sprüche, sondern dass schwarzen Schafen das Handwerk gelegt wird.“
Ehlen setzt sich seit längerem für eine gesetzliche Meldepflicht für Fleischhändler ein, wonach diese bei Lieferungen von verdächtigen Lebensmitteln immer die Behörden benachrichtigen müssen. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten forderte eine Jobgarantie für Tippgeber, die Behörden auf Gammelfleisch hinweisen. Derzeit würden Arbeitnehmer ihren Job gefährden, wenn sie ihre Arbeitgeber anzeigen.
Region, S.12
„Niedersachsen geht konsequent gegen Kriminelle in der Fleischbranche vor“
