Lastrup - Dass Gülle für die Landwirtschaft auch oder gerade im Oldenburger Münsterland ein Problem ist, wissen die Bauern seit Langem. Der Bau einer großen Aufbereitungsanlage in Goldenstedt ist vor Kurzem auf Eis gelegt worden, mehrere auf Chemieeinsatz basierende Konzepte sind in der Erprobung, kommen aber nicht so richtig vom Fleck.

Dabei liegt die Lösung auf der Hand, sagt Johannes Witte von der gleichnamigen Firma an der Schnelter Straße in Lastrup: Ein von Witte konzipiertes biologisches und zudem dezentrales System zur Umwandlung von Gülle in Humus läuft bereits in Italien und Frankreich, nur vor der eigenen Haustür nicht. Aber, sagt Witte, es tue sich was im Osnabrücker Land, und mit der BayWa in München sei man sich bereits einig.

Das Prinzip ist einfach: Man baue am besten direkt an den Stall einen Betonbehälter, fülle ihn mit Stroh oder anderem organischen Material und bringe die Gülle ein. Das Ganze wird von einem Schneckensystem gerührt und einmal pro Tag wird noch Luft hinzugegeben. Wie bei einem Komposter im Garten wird dabei ein biologischer Prozess in Gang gesetzt. Am Ende kommt ein wertvoller Humus heraus, der nicht nach Gülle riecht und dessen verbleibender Stickstoff nicht ausgewaschen werden kann. Der ganze Prozess dauert drei bis vier Monate , sagt Witte.

„Zentralpunkt bei solchen Anlagen ist die Verwendung des Endprodukts. Wir konnten ein Blumenerde-Hersteller überzeugen, das Produkt als Torf-Ergänzungsstoff einzusetzen. Wir sind also in der Lage, unseren Kunden schon vor den Bau der Anlage ein Langzeitabnahmevertrag anzubieten für 100 Prozent des Endprodukts der Anlage. Das charmante ist, dass die Kunden am Ende des Produktionszyklus nur das Fertighumus haben, ohne Konzentrate, Wasser oder weitere Stoffe“, erläutert Witte jun. Valerio, der das Projekt als Geschäftsführer unter seinen Fittichen hat.

„Hier steht ein wirtschaftliches Konzept zur Verfügung, das die Entlastung von Nährstoffüberschüssen unterstützt und gleichzeitig auf die Regelungen aus der Düngeverordnung einzahlt“, so Heinz Karlein, Produktmanager Landwirtschaftliches Bauen bei BayWa Technik. „Mit der Kooperation mit Witte können wir diese Art der Gülleverwertung als erster Händler überhaupt in unseren Vertriebsregionen anbieten.“ Und Valerio Witte ergänzt: „Wir haben mit der BayWa einen zuverlässigen Partner gefunden, der in seinen Vertriebsgebieten eine starke Position hat und mit dem wir in Deutschland wachsen können.“


Zielgruppen seien Betriebe mit hohem Gülleaufkommen, beispielsweise große landwirtschaftliche Viehbetriebe oder Betreiber von Biogasanlagen. Auch der gemeinschaftliche Betrieb einer Humusanlage von mehreren Landwirten kann eine interessante Option sein. Als Abnehmer für den Humus kommen etwa Baumschulen, Obstbau- und Gemüsebaubetriebe, aber auch Veredelungsbetriebe, die den Humus zu hochwertigem Torf weiterverarbeiten in Frage.

Je nach Größe der Anlage ist nach Berechnungen von Witte und BayWa eine Amortisierung in vier bis sechs Jahren möglich. Witte prüft zurzeit den Bau einer Pilotanlage im Kreis Cloppenburg oder der näheren Umgebung.