LASTRUP/OLDENBURG -

von andre dolle

LASTRUP/OLDENBURG - Manche Menschen nehmen Symbole ihrer Leidenschaft sogar mit ins Grab: Im Sortiment der Firma Heiso-Metallwaren aus Lastrup (Kreis Cloppenburg) gibt es neuerdings eine Urne in Fußballform. „Wir hatten mehrere Anfragen von Bestattungsunternehmen und wollten unseren Kunden mal etwas anderes bieten als die Standardmodelle aus Messing oder Holz in den üblichen Formen. Die Urnen bleiben aber wohl ein Nischenprodukt“, sagt Henry Sommer, Geschäftsführer der Lastruper Firma. Es gibt sie in blau-weiß, schwarz-gelb, rot-weiß und schwarz-weiß – je nach Vereinssympathie des Verstorbenen. Man kann sogar die Fußball-Nähte sehen.

Solch außergewöhnliche Beerdigungswünsche sind kein Einzelfall, weiß Angelika Speckmann vom Bestattungsinstitut Speckmann aus Oldenburg. „Erst kürzlich hatten wir eine Beerdigung, auf der Enkelkinder einen Sarg mit Sonne, Wolken und einem blauen Himmel bunt bemalt haben“, so Angelika Speckmann. Ein passionierter Angler hätte den Wunsch gehabt, samt Angelbekleidung und -Ausrüstung beerdigt zu werden. „Ich finde das nicht anstößig. Das ist alles im Sinne der Verstorbenen“, sagt Angelika Speckmann.

Prof. Dr. Jürgen Heumann, evangelischer Theologe der Universität Oldenburg, erkennt in solchen Bestattungen einen allgemeinen Trend: „Wir gehen mit dem Tod individueller um als früher.“ Seiner Meinung nach spielt der Tod wieder eine größere gesellschaftliche Rolle. Die Hospizbewegung und die Debatte über die Sterbehilfe seien Anzeichen dafür.

Für Heumann sind Begräbnisse ein Spiegelbild der Gesellschaft. „Tod wird zu einem inszenierten Ereignis, beflügelt durch die allgemeine Medienkultur. Die Begräbnisse von Lady Diana und Papst Johannes Paul II. beweisen das“, erläutert Heumann.

Wie Angelika Speckmann bemerkt auch Heumann gleichzeitig einen entgegengesetzten Trend zu vermehrt anonymen Bestattungen. Dieser Trend finde in der fortlaufenden Anonymisierung der Gesellschaft ihren Ursprung. „Viele alte Menschen leben alleine oder wollen ihre Angehörigen nach dem Tod nicht mit der Pflege des Grabes beanspruchen“, so Heumann.


Über Fußballurnen will sich Heumann kein Werturteil erlauben. „Das muss man akzeptieren“, sagt er. Urnen-Hersteller Henry Sommer jedenfalls hat bisher keine negativen Reaktionen geerntet. „Da war keiner dabei, der die Idee für verwerflich hält.“