LATHEN - Die Geschichte des Transrapids ist vor allem eine Geschichte zwischen großen Hoffnungen und geplatzten Träumen. 1983 verkehrte die Magnetschwebebahn erstmals offiziell auf der Versuchsanlage im emsländischen Lathen. Doch bis heute ist darüber hinaus einzig eine Strecke in der chinesischen Metropole Shanghai realisiert worden. Nun, ausgerechnet in einer Phase, in der ein Rückbau der Versuchsanlage in Lathen im Raum steht, tun sich jedoch neue Chancen für die Magnetschwebebahn auf.
Es gab noch nie so viele handfeste Anfragen zum Transrapid wie in den vergangenen Monaten, sagte die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann aus Leer. Vor allem bei zwei Projekten liegt die Magnetschwebebahn nach Ansicht von beteiligten Firmen, Politikern und Experten aussichtsreich im Rennen: auf Teneriffa und in Brasilien.
Auf Teneriffa sollen der Norden und der Süden der kanarischen Insel mit zwei rund 80 Kilometer langen Bahnstrecken vernetzt werden. Baubeginn der Strecken soll schon 2012 sein. Die Zentralregierung in Madrid hat Ende Oktober zugesagt, drei Milliarden Euro und damit einen Großteil der Kosten zu übernehmen. Offen ist allerdings noch, für welches Bahnmodell sich die Inselregierung entscheidet.
In einer zweistufigen Machbarkeitsstudie sollen jetzt bis Ende März die Möglichkeiten für eine Magnetschwebebahn-Strecke ausgelotet werden. Die Analyse soll aufzeigen, ob der Transrapid in dem teils topografisch anspruchsvollen Gelände Teneriffas gegenüber einer auf Schienen fahrenden Eisenbahn Vorteile hat.
Auf Teneriffa selbst scheint man den Transrapid derzeit zu favorisieren. Wir glauben, der Transrapid ist das öffentliche Verkehrsmittel, das sich für unsere Insel am besten eignet, sagte unlängst Inselpräsident Ricardo Melchior dem ARD-Morgenmagazin
Auch bei Wissenschaftlern und am Transrapid beteiligten Unternehmen zeigt man sich optimistisch. Von einer sehr berechtigten Chance für den Transrapid, spricht etwa das Bauunternehmen Max Bögl, das die Federführung in der Akquisitionsarbeit für die Magnetschwebebahn übernommen hat. Die Topografie spricht für den Transrapid, meint auch Prof. Dr. Johannes Klühspies, Präsident des Vereins International Maglevboard (Magnetbahnforum).
Eine ungleich größere Dimension hat das Projekt in Brasilien. Hier soll eine mehr als 500 Kilometer lange Neubaustrecke von Rio de Janeiro bis São Paulo und weiter nach Campinas führen.
Eigentlich sollte schon in diesen Tagen die Frist für die Abgabe von Angeboten abgelaufen sein. Weil aber trotz großen Interesses sich nur ein Konsortium aus Südkorea für den Bau der Strecke beworben hatte, wurde eine neue Ausschreibung mit einer Abgabefrist bis 11. April 2011 vereinbart. Von Interessenten war in der ursprünglichen Ausschreibung u.a. bemängelt worden, dass der Betreiber das komplette wirtschaftliche Risiko hätte tragen müssen.
Sollte auch die neue Ausschreibung systemoffen bleiben, sehen Experten auch wegen der geografischen Bedingungen durchaus Chancen für den Transrapid. Entscheidungsträger in Brasilien hätten sich aufgeschlossen und sehr positiv gegenüber dem Transrapid gezeigt, sagte etwa Connemann. Ein Zuschlag insbesondere für das Projekt in Brasilien könnte einen Dominoeffekt auch für andere Magnetbahnprojekte auslösen, meint Klühspies.
Auch für die Transrapid-Versuchsanlage im Emsland (TVE), wo in Kürze über die Weiternutzung bzw. den Rückbau der Strecke entschieden werden soll, könnte ein positives Votum für eine der Strecken Auswirkungen haben. Für eine zukünftige Projektrealisierung des Transrapid in einem der interessierten Länder ist die TVE von Bedeutung, da sowohl weitere Demonstrationsfahrten sowie auch Tests von zukünftigen Entwicklungen dort stattfinden können, teilte ein Bögl-Sprecher mit.
Allerdings könnten zuvor schon Fakten geschaffen werden. Einem NDR-Bericht zufolge müssen die Mitarbeiter der Teststrecke offenbar Anfang 2011 mit Kündigungen rechnen. Der Betriebsrat sei über einen entsprechenden Antrag informiert worden. Bislang habe sich keine Perspektive für die Weiternutzung der Strecke ergeben. Wie Connemann gegenüber dieser Zeitung sagte, sei zeitnah mit einer endgültigen Entscheidung zu rechnen. Beim Transrapid zeichnet sich eine neue vielleicht letzte Episode zwischen Hoffen und Bangen ab.
