LATHEN - Für die Befürworter der Magnetschwebebahn-Technik war der Dienstag ein guter Tag. Bei einem Gespräch zwischen Politik und Industrie in Berlin hatten sich Vertreter des Bundesverkehrsministeriums und die am Transrapid-Projekt beteiligten Firmen Siemens, Thyssen-Krupp, Max Bögl und IABG grundsätzlich auf eine Bewerbung um ein Schnellbahnprojekt in Brasilien verständigt.
„Das ist eine Technologie, die absolut zukunftsfähig ist. Ich glaube fest an den Transrapid, und Bundesverkehrsminister Ramsauer tut das auch“, sagte Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba, ein gelernter Ingenieur, im Gespräch mit dieser Zeitung in Berlin. Um möglichen Kunden die Magnetschwebebahn-Technologie präsentieren zu können, sei es deshalb aber auch wichtig, den Betrieb „der Referenzstrecke in Lathen aufrecht zu erhalten“.
Der Bund hatte bereits in diesem Jahr mit einen Millionen-Spritze das vorzeitige Aus der Strecke im Emsland verhindert. „Wir müssen jetzt mit den Haushaltspolitikern des Bundestages sprechen, damit die Strecke auch über das Jahr 2010 erhalten bleibt“, so Bomba.
„Ohne eine Fortführung der Versuchsstrecke können wir den Transrapid nicht im Ausland verkaufen“, sagte auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann aus Leer. Sie wird noch einige Überzeugungsarbeit bei ihren Kollegen in Berlin leisten müssen.
Überzeugungsarbeit wird derweil auch bei der geplanten Bewerbung in Brasilien noch nötig sein. Denn die Konkurrenz ist groß. Neben einem deutschen Angebot wird auch mit Offerten aus Frankreich, Japan und China gerechnet.
Dennoch geben sich deutsche Verkehrsexperten optimistisch. „Sollte es zu einem ernsthaften Angebot kommen, bestehen gute Chancen für die deutsche Magnetschnellbahn, den Zuschlag zu bekommen“, meint Prof. Dr. Johannes Klühspies, Präsident des Vereins International Maglevboard.
Hoffnungen machen den Wissenschaftlern vor allem die topographischen Gegebenheiten der geplanten Strecke. „Auf der Strecke zwischen Sao Paulo und Campinas würden für herkömmliche Schnellzüge 44 Kilometer Tunnelstrecke benötigt, die aufwendig gebohrt werden müssen“, sagt Prof. Dr. Arnd Stephan, Verkehrsexperte TU Dresden. „Bei einem Einsatz von Magnetschnellbahnen wird dagegen die Tunnelstrecke um etwa 90 Prozent auf vier Kilometer reduziert.“
