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Beruf „Leben und Tod gehören zusammen“

Hude - Seit dem zarten Alter von vier Jahren hat Anja Graalmann-Lulic mit dem Tod zu tun. Ihre Eltern machten sich mit einem Bestattergroßhandel selbstständig, daraus wuchs später ein Bestattungsunternehmen. Die Eltern hätten ihr und ihrem Bruder schon früh vermittelt, dass das Leben und der Tod nun einmal zusammen gehören. Inzwischen führt sie ihr eigenes Bestattungsunternehmen.

Auch heute haben Bestatter noch mit Vorurteilen zu kämpfen. „Es kursieren noch einige Mythen und Horrorgeschichten, gegen die man angehen muss“, berichtet Lutz Harfst, Inhaber des Beerdigungsinstituts Backhus.

Man muss stark sein

„Manche haben Probleme damit, mir die Hand zu geben“, erzählt Graalmann-Lulic. Wer mit ihr spricht, merkt jedoch sofort, sie ist eine sehr lebendige Person. Eines der herrschenden Vorurteile sei, dass Bestatter abgestumpft seien. „Das stimmt nicht, der Beruf kann manchmal sehr schwierig sein, es gibt Situationen, in denen ich mit den Hinterbliebenen weine“, sagt Graalmann-Lulic. „Doch ich versuche, das zu vermeiden, ich muss für die Familien der Verstorbenen stark sein. Man lernt damit umzugehen, weil man weiß, dass man gebraucht wird“, erklärt die Bestatterin.

Viel Rückhalt bekommt sie von ihrer Familie. „Ohne sie ginge es nicht, wir sind 365 Tage im Jahr 24 Stunden am Tag dienstbereit“, erklärt Graalmann-Lulic. Lutz Harfst bestätigt: „Wir sind nun mal in erster Linie Dienstleister, meine Frau zieht da voll mit, und auch die Kinder kennen es inzwischen. Es geht auch nicht anders.“ Graalmann-Lulic bekommt neben ihrem Mitarbeiter Alexander Becker, auch von ihrem Mann Goran Lulic und Sohn Torben Unterstützung.

„Wenn es gewünscht ist, kümmern wir uns um alles, was die Hinterbliebenen erledigen müssen, dazu gehört natürlich die komplette Versorgung der verstorbenen Person und Beratungsgespräche mit den Hinterbliebenen, zum Beispiel welche Art der Bestattung gewünscht ist,“ sagt Graalmann-Lulic. Die Aufgaben sind vielfältig. Um die Dekoration bei der Bestattung oder die Organisation einer Kaffeetafel kümmert sich ein Bestatter genauso, wie um die bürokratischen Aufgaben, wie zum Beispiel einen Anspruch auf Rente zu klären oder Versicherungen umschreiben zu lassen.


Für andere da sein

Graalmann-Lulic zieht auch viel Positives aus ihrem Beruf. „Ich freue mich, für andere da sein zu können, und dass mir die Menschen vertrauen“, erklärt die 49-Jährige. In ihrem Beruf lernt man vor allem eines: „Man weiß, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Deshalb gehen wir niemals im Streit auseinander. Natürlich haben wir auch mal Differenzen, aber die tragen wir nicht über Tage mit uns herum, sondern versuchen sie, sofort zu klären“, so Graalmann-Lulic. „Ich denke, als Bestatter lebt man sogar aktiver als andere und freut sich auf andere Art und Weise, über Kleinigkeiten.“

Merle Ullrich
Merle Ullrich Redaktion Brake
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