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Handel „Leer ist fast ein kleines Oberzentrum“

Lambert Tergast

Leer - Johannes Poppen ist sichtlich zufrieden. Der Vorsitzende der Leeraner Werbegemeinschaft sieht Leer als Einkaufsstadt derzeit sehr gut aufgestellt: „Im Moment bin ich richtig euphorisch“, umschreibt Poppen die Lage. „Wir haben in Leer richtig gute Dinge gemacht und ein gutes Umfeld geschaffen. Leer hat im Vergleich zu Aurich, Emden oder Papenburg unglaublich viele Kunden. Wir verzeichnen auch einen wachsenden Zustrom aus Westerstede, wo man bisher ja eher in Richtung Oldenburg geguckt hat.“

Viele Niederländer

Poppen verweist zudem auf die vielen Niederländer, die zum Einkaufen nach Leer fahren: „In der Weihnachtszeit kamen bis zu 40 Prozent der Kunden aus den Niederlanden. Offensichtlich treffen wir bei ihnen mit den Sortimenten den richtigen Geschmack“, erklärt er sich - neben der günstigen Lage der Stadt - den Zustrom aus dem Nachbarland. „In den Niederlanden gibt es ein großes Angebot für jüngere Leute, in Leer werden aber auch die älteren Menschen fündig“, so Poppen.

Er sieht Leer sogar - „ein bisschen übertrieben“ - als „kleines Oberzentrum“ zwischen Groningen und Oldenburg. Die so gut wie gar nicht vorhandenen Leerstände in der Innenstadt sprechen dafür: Wenn bei uns ein Laden leer steht, ist sofort wieder jemand da, der ihn mieten will“, so Poppen. „Das sieht in fast allen anderen Städten nicht so gut aus.“

Doch was macht die Stadt als Einkaufsstadt so stark? Zum einen stimmt laut Poppen die Mischung: „Es ist ein gesunder Mix aus wichtigen Filialen, wie H&M oder C&A, und vielen inhabergeführten Läden. In manchen Fußgängerzonen finden sie ja nur noch Filialen, das ist nicht attraktiv.“

Lob an die Politik

Zum anderen lobt Poppen auch die Leeraner Politik: „Was uns geholfen hat, ist zum Beispiel die Neuplanung der Nesse. Wir fühlen uns hier so ein wenig wie an der Alster in Hamburg“, meint Poppen.


Dass die Politik zum Funktionieren Leers als Einkaufsstadt beigetragen hat, unterstreicht auch Johann Doden, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ostfriesland: „Es kommt auf das Zusammenspiel aus Einzelhandel, Gastronomie und Stadtverwaltung an. Von politischer Seite sind beispielsweise in Emden in der Vergangenheit elementare Fehler gemacht worden. Leer hingegen verkraftet sogar zwei Einkaufszentren – Multi und Emspark - auf der grünen Wiese. Die Innenstadt ist trotzdem lebendig.“ Doden meint kurz und knapp: „In Leer macht man vieles richtig.“

Natürlich spielt laut Doden auch die günstige Lage eine wichtige Rolle: „Leer ist mittendrin, von allen Seiten gut anzufahren, direkt an der Autobahn, und es gibt ein großes Einzugsgebiet. Doch für Doden gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt, mit dem Leer auftrumpfen kann: „Es gibt in Leer einen Johannes Poppen. Poppen ist ein Macher. Er setzt Akzente, über die man sicher diskutieren kann. Aber er ist eine Lokomotive, die vorangeht.“

Mitternachtsshopping

Doden spielt damit unter anderem auf das von Poppen schon vor etlichen Jahren ins Leben gerufene Mitternachtsshopping an, bei dem die Läden samstags bis Mitternacht geöffnet haben und das in diesem Jahr siebenmal stattfinden wird: Am 4. April, am 2. Mai, am 12. September (Modenacht) sowie erneut an allen vier Adventssonnabenden. Gerade von Gewerkschaftsseite wird der Vorsitzende der Leeraner Werbegemeinschaft dafür regelmäßig scharf kritisiert. Poppen sieht das naturgemäß ganz anders: „Das ist ein Riesen-, Riesenerfolg. Eine der besten Ideen, die ich je hatte. Ich könnte nie mehr darauf verzichten. Das gibt es nirgendwo sonst. Die Geschäftsleute in Leer sind so dankbar dafür.“

Ähnlich umstritten sind auch die verkaufsoffenen Sonntage, von denen es in diesem Jahr wieder vier geben wird: Am 5. Juli (Töpfermarkt), am 30. August (American Wheels), am 4. Oktober (Ostfrieslandschau) und am 18. Oktober (Gallimarkt). Für Poppen ist es „fast unerklärlich, dass selbst diese Zahl von vier Sonntagen im Jahr von Verdi noch behindert wird.“

Ein weiteres Lob für die Politik hat Johannes Poppen hingegen für die Neugestaltung der Leeraner Fußgängerzone übrig - der zweite Bauabschnitt wurde letzte Woche gestartet: „Nach 40 Jahren Fußgängerzone ist das jetzt nötig. Und ich glaube, das wird gut. Es ist eine echte Chance für Leer, sich weiter zu entwickeln.“

Das neue Verkehrskonzept für die Innenstadt, an dem Stadtplaner und Politik derzeit tüfteln, bereitet ihm jedoch Sorgen: „Die Erreichbarkeit der Innenstadt ist ein spannendes Thema. Die Politik sollte es sich zweimal überlegen, ob - beispielsweise für den Radverkehr - die Straßen so verengt werden, dass die Autofahrer sehr viel schlechter durchkommen. Der öffentliche Nahverkehr in der Innenstadt liegt bei Null, Leer ist auf die Erreichbarkeit mit dem Auto angewiesen.“

Entsprechend hoch ist da der Bedarf an Parkplätzen. Poppen verweist in diesem Zusammenhang auf das City-Parkhaus mit 800 Stellplätzen, das, seit es vor etwa eineinhalb Jahren von Leffers gekauft, umgebaut und an Contipark verpachtet wurde, sehr gut besucht wird: „Im Dezember gab es jede Menge Tage, da war es komplett belegt.“ Das Parkhaus hat laut Poppen deutlich dazu beigetragen, dass die motorisierten Innenstadt-Besucher selbst an Samstagen nicht verzweifeln müssen.

Ostfriesischer Charme

Befürchtet Poppen, dass die Kunden trotz alledem irgendwann nicht mehr kommen und nur noch über das Internet einkaufen? „Wir können viel von Online lernen, zum Bespiel in Sachen Verlässlichkeit“, meint der Einzelhändler. „Aber es reicht nicht, zu jammern. Du musst investieren.“ Gerade Leer hat laut Poppen der Online-Konkurrenz etwas voraus: den ostfriesischen Charme. „Wir haben hier eine besondere Kommunikation mit den Kunden. Die Bedienung in Ostfriesland ist besonders freundlich. So etwas kann kein Online-Handel ersetzen.“

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