LEER/HANNOVER - Die Spekulationen um die Ursache für die Dioxinvergiftungen im Deichvorland entlang der Ems gehen weiter. Doch woher das Gift stammt, ist noch immer völlig unklar. Bisher sind die Flächen von rund fünf Bauern von den Dioxinfunden betroffen. „Die vordringlichste Aufgabe ist es jetzt, zu prüfen, ob das Gift in die Nahrungskette gelangt ist”, betont der Sprecher des Agrarministeriums in Hannover, Gert Hahne.

Der Landkreis und auch das Agrarministerium wollen jetzt weitere Proben entlang des Flusses nehmen. Untersucht werden sollen vor allem landwirtschaftlich genutzte Gebiete des Deichvorlands. Der Landkreis will Proben auf der gesamten Strecke zwischen Papenburg und Emden haben. Je nach Ergebnis könnten dann noch Flächen an weiteren Flüssen untersucht werden.

Am Dienstag wurden im Auftrag des Landkreises zehn Schafe geschlachtet, um ihr Fleisch zu untersuchen. „Die Ergebnisse sollen Anfang nächster Woche vorliegen”, so Landkreissprecher Jens Stöter. Dioxine lagern sich vor allem im Fettgewebe und der Leber ab. In Rohmilchproben wurde bisher keine Spur des Giftes entdeckt.

Zur Giftursache werden verschiedene Theorien entwickelt: Der Wattenrat bringt eine ehemalige Bohrschlammdeponie bei Nüttermoor ins Spiel und eine Lackfabrik bei Delfzjil. Die Grünen-Fraktionschefin im Kreistag, Meta Janssen-Kucz, verweist auf das Industriegebiet in Eemshaven und selbst die Mülldeponie in Breinermoor kommt jetzt manchem verdächtig vor. „Wir beteiligen uns an keiner Spekulationen”, so der Landkreis Leer.

Experten des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Emden gehen nicht mal davon aus, dass das Dioxin aus der Ems oder ihrem Schlick kommt. Bei Baggerarbeiten werde routinemäßig nach Giften gesucht, sagte der stellvertretende WSA-Leiter Günther Rohe. Es sei kein Dioxin gefunden worden.


Die Landwirte sind inzwischen im Aufruhr. Bauernfunktionär Klaus Borde geht auf der Westseite der Ems von insgesamt rund 15 betroffenen Landwirten aus. Er und Willem Berlin vom Kreislandvolk, haben ihren Kollegen geraten, das Gras dieses Jahr ein Stück weiter vom Boden entfernt abzumähen, um die Belastung zu reduzieren.

Doch im schlimmsten Fall droht ein Nutzungsverbot der verseuchten Flächen. Aber das ist der letzte Schritt. „Wir können nicht aus der Hüfte heraus ein Viertel des Landkreises sperren,” sagte der Sprecher des Agrarministeriums in Hannover, Gert Hahne. Man werde sich mit den Bauern absprechen. Vor Erlass eines generellen Nutzungsverbots könne die Bewirtschaftung der Flächen eingeschränkt werden. Möglich sei es, Schafe dort nur zeitlich eingeschränkt grasen zu lassen oder nur noch alte Tiere auf die Weide zu lassen, deren Fleisch nicht mehr gegessen werden solle.

Dem geplanten Probestau der Ems am kommenden Sonnabend stehe nichts im Wege, da die Flächen des Deichvorlandes dabei nicht überspült werden.