LEER/HANNOVER - Umwelt- und Tierschützer begrüßen den vorläufigen Stopp des Projektes. Die Notwendigkeit könne wissenschaftlich nicht begründet werden.

Von Hans Drunkenmölle

LEER/HANNOVER - Die umstrittene Massentötung von Rabenkrähen im Landkreis Leer hat einen kuriosen Effekt: Nachdem 12 000 Tiere von Jägern in Fallen gefangen und dann mit Knüppeln erschlagen worden sind, werden Verluste an Altvögeln durch Zuwanderung von Jungvögeln nicht nur wieder ausgeglichen – es gibt sogar mehr Krähen als zuvor. Diese Beobachtungen hat der Naturschutzbund (Nabu) gestern mitgeteilt. Damit werde das vom Landwirtschaftsministerium geförderte Forschungsprojekt, mit dem geprüft werden soll, ob sich die Bestände bedrohter Wiesenvögel erholen, wenn massenhaft Nesträuber getötet werden, „endgültig ad absurdum geführt“, erklärte der Nabu-Regionalvorsitzende Matthias Bergmann gestern in Leer.

Auch vor diesem Hintergrund begrüßte der Nabu den von Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) verfügten vorläufigen Stopp der Aktion bis zum Vorliegen der Ergebnisse: „Wir sind sehr froh und sehen das als deutlichen Erfolg unserer Bemühungen.“

Erleichtert zeigte sich auch der Deutsche Tierschutzbund: „Das ist der Beginn des Rückzuges aus einem Vorhaben, das nicht mit Recht und Gesetz vereinbar ist“, sagte Präsident Dr. Wolfgang Apel (Bremen). „Die angeblichen wissenschaftlichen Begründungen, mit denen das Ministerium und die Jäger das Tötungsprojekt verteidigen, sind offenbar das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind.“

Im Landwirtschaftsministerium wird die auch vom Umweltministerium verteidigte Notwendigkeit des Forschungsprojektes, das vom Institut für Wildtierkunde der Tierärztlichen Hochschule in Hannover wissenschaftlich begleitet wird, offenbar zunehmend kritischer gesehen. Anlass dazu sind auch großflächige Untersuchungen in den Niederlanden, bei denen es ebenfalls darum geht, den Einfluss von Nesträubern auf Wiesenvögel zu untersuchen. Darauf war das Landwirtschaftsministerium erst vor wenigen Tagen von Experten der Hochschule Vechta aufmerksam gemacht worden.


Dabei sind die holländischen Forscher offensichtlich schon weiter gekommen als ihre Kollegen aus Hannover. Nach Informationen des Projektleiters Andreas Grauer ist im Nachbarland herausgekommen, dass Krähen zu 15 Prozent an Nestplünderungen beteiligt waren. Sollten diese Ergebnisse auf die Situation im Kreis Leer übertragbar sein, wäre nach Einschätzung des Landwirtschaftsministeriums hierzulande „eine Doppeluntersuchung nicht sinnvoll“. Damit wäre zugleich die von der Kreisjägerschaft weiterhin hartnäckig vertretene These widerlegt, wonach Rabenkrähen Hauptursache für den Rückgang von Wiesenbrütern sein sollen.