LEER - Die einen lieben sie, die anderen möchten sie ganz schnell loswerden: Krähen gehören seit Jahrhunderten zum Stadtbild, doch in vielen Kommunen häufen sich Anwohnerbeschwerden über Dreck und Lärm der Tiere. Dabei ist ein Mittel gegen die „Problemvögel“ bisher nicht in Sicht. Saatkrähen seien aus den Städten nicht mehr heraus zu bekommen, sagten Experten am Montag beim ersten „Krähensymposium“ im ostfriesischen Leer. Dort berieten Fachleute aus dem gesamten Bundesgebiet über mögliche Auswege.
Naturschützer führten dabei die Probleme in Städten auch auf die Landflucht der besonders geschützten Saatkrähen zurück: Der Chemieeinsatz in der Landwirtschaft vernichte zunehmend die traditionellen Lebensräume. Die Jagd, zunehmende Bebauung und das Fällen von typischen Brutbäumen machten den Vögeln das Leben schwer. Sie suchen Alternativen in den Städten.
Krähen stehen unter Naturschutz. Große Kolonien mit mehr als 600 Brutpaaren gibt es unter anderem im westfälischen Soest, im Nordwesten unter anderem in Jever, Diepholz und Achim bei Bremen sowie in Leer. Dort hatte 2005 ein umstrittenes Projekt zur massenhaften Tötung von Krähen im Landkreis für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Kritiker hatten das Fangen der Tiere in Vogelfallen und das Erschlagen mit Knüppeln als besonders brutal bezeichnet.
„Die normale Vertreibung, das Vergrämen, bringt nichts“, hat der Stadt- und Landschaftsplaner Werner Klöver (Leer) festgestellt. Nester mit Wasser wegspritzen oder Bäume fällen, habe oft unerwünschte Folgen, sagte auch der Umweltexperte Manfred Kaiser aus Baden-Württemberg. „Die Tiere weichen aus, große Kolonien spalten sich auf und verteilen sich an anderen Stellen.“
Vergrämung sei nur als Ausnahme an Krankenhäusern, Altersheimen oder Schulen denkbar. „Wir müssen mit ihnen leben, wir kriegen sie nicht mehr weg.“ Ohne das Umland lasse sich das Problem in den Städten nicht lösen, meinte Bürgermeister Wolfgang Kellner (parteilos) aus Leer. Denkbar sei eine Kombination aus Vergrämen der Tiere aus sensiblen Wohnbereichen und Lockangeboten, um sie an anderen Stellen wieder anzusiedeln.
„Infotafeln statt Kettensägen“ warb dagegen die Psychologin und Ethnologin Uta Maria Jürgens für einen gänzlich anderen Umgang mit den Tieren: „Einen Pickel im Gesicht können wir schließlich am besten selbstbewusst ertragen.“
