Grüppenbühren - „Gandhi“ weiß nun: Zuhause ist es doch am schönsten. Im Herbst 2013 war der Jagdvogel auf und davon geflogen. Nach drei Monaten des bangen Wartens kehrte das Tier nach Grüppenbühren zurück – sehr zur Freude von Falkenmeister Manfred Haas.

Inzwischen ist Gandhi 17 Jahre alt. Für einen Steinadler ist das kein Alter. „Die können bis zu 60 Jahre alt werden“, erklärt der 73-jährige Haas. Der Vogel habe sich nach seiner Odyssee wieder gut eingelebt, kämpft allerdings etwas mit Langeweile. Der Grund: Aus gesundheitlichen Gründen musste Haas in den letzten Monaten kürzer treten. Das falle ihm sehr schwer. „Den ersten Greifvogel habe ich bereits im Alter von sechs Jahren trainiert“, erzählt er.

„Die Leidenschaft für die Vögel wird er aber nie verlieren“, sagt Uwe Tietz, Jungfalkner. Er absolviert derzeit sein erstes Lehrjahr unter Haas. Der 49-Jährige soll später einmal Gandhi und seine gefiederten Freunde übernehmen. „Solange Manfred bei uns ist, soll aber alles seins bleiben“, erzählt der Lehrling mit Tränen in den Augen.

Kennen gelernt haben sich die beiden ehemaligen Fallschirmjäger vor drei Jahren bei den archäologischen Ausgrabungen auf dem Gelände des heutigen Netto-Zentrallagers in Grüppenbühren. „Macht den Bagger aus, ich hab’ hier Steinadler“, rief der Falkenmeister dem damaligen Ausgrabungs-Teilnehmer zu. Das weckte Interesse bei Tietz an dem außergewöhnlichen Hobby. Zugleich führte der Austausch zu einer engen Freundschaft, die durch die gemeinsame Arbeit mit den Tieren noch intensiver wurde.

„Mein Opa sagte immer: wenn du zwei gute Freunde hast, bist du reich. Manfred hat einen ganzen Sack voll“, meint der ehemalige Sozialarbeiter Tietz. „Es gibt nur einen Menschen mit so einer Lebensgeschichte.“


Eine so enge Freundschaft, versucht Tietz auch mit dem Steinadler Gandhi und den anderen Vögeln der Jagdfalkenschule aufzubauen. „Entscheiden tut das aber immer der Vogel – nie der Mensch“, weiß Tietz, „das braucht ganz viel Zeit und Ruhe.“ Die Bedürfnisse des Vogels stehen dabei immer im Mittelpunkt der Arbeit. Nur mit viel Liebe und Geduld könne eine Beziehung aufgebaut werden.

Wer den ganzen Stolz von Manfred Haas und Uwe Tietz in Lebensgröße bestaunen möchte, sei zur Besichtigung der Jagdfalken-Schule jederzeit willkommen. Außerdem ist Haas zusammen mit einigen befreundeten Falknern am 7. und 8. November bei der Messe „Mein Tier“ in den Oldenburger Weser-Ems-Hallen mit einer Auswahl seiner Greifvögel vertreten. „Da erklären wir alles über unsere Tiere“, wirbt Haas, „da hören interessierte Besucher alles aus erster Hand.“ Auch Gandhi wird dann dabei sein – und aus seiner Langeweile entrissen.