Ob Sonne, Regen oder Schnee – wir feiern Fasching in Ganderkesee“, so heißt das Motto der neuen Session. Zwölf Entwürfe für die Faschingsmedaille zu diesem Motto standen zur Auswahl. Nach 1996 und 2013 setzte sich auch in diesem Jahr Reiner Geerken (68) mit seinem Vorschlag durch.

In diesem Jahr konnte Reiner aus gesundheitlichen Gründen den Fasching nicht miterleben. „Pass beim Frühschoppen genau auf “, gab er seiner Gertrud mit auf dem Weg. Gleich als sie ihren Reiner im Reha-Zentrum Gyhum besuchte, nannte sie ihm das neue Motto. „Sofort fiel mir dazu etwas ein“, sagt Reiner. Zu Hause angekommen brachte er seine Idee auf Papier. In der Mitte die große Sonne und links und rechts jeweils einige Regentropfen beziehungsweise Schneeflocken. Immer mit auf der Medaille: das blau-weiße Logo der GGV.

Und genau dieses Logo entstammt ebenfalls der Feder von Reiner Geerken und zierte 1996 die Medaillen. Damals war seine Gertrud noch etwas skeptisch und meinte: „Damit willst du hin?“ Dieser Entwurf gefiel den Verantwortlichen aber so gut, dass er später das Logo der GGV wurde.

Als eingefleischter Ganderkeseer war Reiner Geerken selbstverständlich beim Fasching immer mit dabei, viele Jahre davon aktiv beim Umzug. In den Festausschuss der GGV kam Reiner aber erst durch seine Zuchtkaninchen. Die Zucht (Rasse „Rote Neuseeländer“) war seine ganz große Leidenschaft. Nicht selten hatte er über 60 Kaninchen in seinem Stall, und viele davon wurden auf Schauen prämiert. Sogar bundesweit waren seine Tiere erfolgreich und gefragt.

Da der Kaninchenzuchtverein Mitglied in der GGV war, wurde Reiner Geerken 1995 als Vertreter in den Festausschuss entsandt. Vor drei Jahren hat sich Reiner aus dem Festausschuss zurückgezogen und ist seitdem im Ältestenrat der GGV. Ganz besonders stolz war er 2005, als sein Enkel Rouven Neumann Kinderprinz wurde.


Rückblickend auf seine eigene Kindheit erzählt Reiner: „Ich hatte noch sechs Geschwister, Spielzeug hatten wir ganz wenig. Aus einer Fischdose haben wir eine Schippe gebastelt.“ Gerne hätte Reiner Geerken nach der Schule den Beruf des Schornsteinfegers erlernt. „Ich hätte große Lust gehabt, den Leuten aufs Dach zu steigen.“ Seine Mutter Alwine war aber strikt dagegen: „Wir haben kein Badezimmer, wie willst du jeden Tag sauber werden?“

Ein Nachbar hatte sich als Bauunternehmer selbstständig gemacht und bot Reiner eine Lehrstelle als Maurer an. „Die Firma hatte noch kein Auto, und so mussten wir anfangs immer mit dem Fahrrad auf die Baustellen fahren“, erinnert sich Reiner. Obwohl er in seinem Beruf Wind und Wetter ausgesetzt war, war er mit Leib und Seele Maurer, später auch in verantwortungsvoller Position als Polier.

Aus gesundheitlichen Gründen musste Reiner mit 50 Jahren den Beruf aufgeben. Er schulte zum Busfahrer um, doch auch hier spielte seine Gesundheit nicht mit. Wegen seines Asthmas musste er sogar seine Kaninchenzucht aufgeben. Zusammen mit seiner Ehefrau Gertrud besuchte Reiner viele Flohmärkte und entdeckte hier sein Herz für Spielzeug. Wohnbereich und auch die ehemaligen Zimmer seiner beiden Kinder sind voll davon. So manches Kinderherz würde bei diesem Anblick höher schlagen. Tretautos, die Reiner aufwendig restauriert hat, oder die Zapfanlage einer Tankstelle. In einem kleinen Wandschrank sind über 50 verschiedene Sparbüchsen – alle alt und aus Blech, wie ganz viele andere Spielzeuge in Reiners Sammlung.

„Ich musste erst 50 Jahre alt werden, um mir diesen Kindheitstraum zu erfüllen“, gesteht Reiner mir. Beim Rundgang zeigt er mir stolz seine „Schätze“. Viele der Dinge haben eine eigene Geschichte. Ein Höhepunkt ist sicherlich die „Jägermeister-Hütte“ im Garten. Die gesamte Inneneinrichtung ist gespickt mit Werbeartikeln des Spirituosen-Herstellers. Da der Platz langsam nicht mehr ausreicht, erwirbt Reiner jetzt nur noch ganz besondere Stücke. Einiges hat er mittlerweile auch schon wieder verkauft.

Ganz zum Schluss unseres Gesprächs erwähnt Reiner, dass er und seine Gertrud jetzt an ein Großereignis in der Familie denken. In gut einem Jahr feiern beide ihre goldene Hochzeit. Als ich etwas ungläubig schaue, meint Reiner: „Ich war 19 Jahre und Gertrud 17 Jahre, als wir geheiratet haben. Da kannst Du mal sehen: ,Jung gefreit – nie gereut‘“, lächelt Reiner.

Reiner Geerken, Schöpfer des Faschingsordens für die Session 2013/2014