LEMWERDER - Die selbst gestellte Frage „Ist ADHS eine Modekrankheit?“ beantwortete Eckhard Ziegler-Kirbach seinen erstaunten Zuhörern mit einem „Ja“. Im mittlerweile vierten Vortrag über diese Krankheit im Rahmen der Elternschule in Lemwerder ging es um „ADHS im Erwachsenenalter“.
Eine Modekrankheit sei es, weil neben der genetischen Veranlagung Umwelteinflüsse und der Lebensstil die Ausprägung sehr beeinflussen würden.
Bei ADHS handele es sich eigentlich nicht um eine Krankheit, sondern um eine Störung, deren Erscheinungsbild sich mit zunehmendem Alter ändere, die aber nie weggehe. ADHS im Seniorenalter sei ein völlig unerforschtes Thema, da man bisher davon ausging, dass es eine „Kinderkrankheit“ sei, so Ziegler-Kirbach.
Für die Betroffenen und ihre Angehörigen stelle dies ein Problem dar. Mit der Volljährigkeit enden alle von den Kassen übernommenen Leistungen. Nicht nur, dass benötigte Medikamente nicht mehr übernommen würden, Therapien sind für diese Zielgruppe Mangelware. Die Betroffenen müssen dafür lange Wartezeiten und Wege sowie hohe Kosten in Kauf nehmen.
„Die Symptomatik im Erwachsenenalter ändert sich und die Hyperaktivität fällt nicht mehr so auf.“ Die Gedankensprünge, Stimmungsschwankungen, innere Unruhe und geringe Frustrationstoleranz blieben allerdings. Die Suchtgefahr steige, da zur Entspannung gerne zu Nikotin, Alkohol und Drogen gegriffen werde. Rund 50 Prozent der Kinder entwickeln eine „Substanzabhänigkeit“, wie der Kinder- und Jugendarzt erläuterte. Gut dosierte Medikamente könnten da sehr effektiv Abhilfe schaffen, würden aber von den Kassen nicht übernommen.
Hilfe können Paartherapien, Schuldnerberatungen, Familienhilfe oder Antiaggressionstraining leisten. Emotionale Achterbahnfahrten und geringe Selbstregulation machen Partnerbindungen nicht einfach, erläuterte Ziegler-Kirbach. Ein Langzeitplan, der die Automatisierung von Daueraufgaben beinhaltet, sei für die Betroffenen wichtig.
Einen weiteren Vortrag über die medikamentöse Behandlung bei ADHS haben Bianka Ludwig, Elternschule Lemwerder, und Karen Stuke vom Familien- und Kinderservicebüro sowie Ellen Köste-Schmidt, Vorsitzende des ADHS-Stammtisches, für den 23. September organisiert.
