LEMWERDER - „Wir wollen einen anderen Politikstil in die Gemeinde bringen“, formuliert der Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Ortsgruppe Lemwerder, Peter Clamor, seinen Anspruch. Er kritisiert vor allem die „Basta-Politik“ der Lemwerderaner Sozialdemokraten, die im Rat die absolute Mehrheit haben. Aber auch bei den Ratsmitgliedern von CDU und FDP sieht er kaum Ansätze von ökologischem Denken.
Gerade das wollen Clamor und vier weitere Lemwerderaner in den Rat bringen, wenn sie gewählt werden. Ebenfalls um Sitze im Rat bewerben sich Brigitta Rosenow, Frank Schwarz, Gerrit Eck und Ingo Ibelings. Die beiden Letztgenannten sind keine Mitglieder der Partei.
Am stärksten grenzen sich die Lemwerderaner beim Thema Verkehrspolitik gegen die im Rat etablierten Parteien ab. So fordern sie die Einstellung der B 212-Neuplanung auf Lemwerderaner Gebiet und lehnen eine Umgehungsstraße über den ehemaligen Flugplatz ab. Beides entlaste die Gemeinde nicht, sondern bringe mehr Verkehr. Stattdessen solle der Güterverkehr auf dem Wasserwege abfließen. Keinesfalls dürfe die zurzeit marode Bahntrasse zwischen Delmenhorst und Lemwerder preisgegeben werden, so die Grünen. Die Option, alle Industriebetriebe wieder ans Schienennetz anzuschließen, müsse bleiben. Weitere Forderung ist ein Ausbau der Bus- und Fährverbindungen.
Ein wenig vorsichtiger äußern sich die Grünen über Windenenergie und Biogasanlagen. Bürger sollten die Möglichkeit haben, mindestens an Teilen des Windparks in Sannau Anteile zu erwerben. Nachteile der Anlieger könnten ein wenig kompensiert werden, wenn man die Verlegung der Versorgungsleitungen mit dem Ausbau der Breitbandverbindungen koppelt. Auch Biogasanlagen befürworten die Grünen grundsätzlich. In ihnen sollten aber nicht nur Futtermittel verwertet werden, sondern auch Gülle und Mist. Die Gemeinde soll Strom aus regenerativen Quellen nutzen und auch die Energieeffizienz eigener Gebäude verbessern.
Insgesamt soll die Wohn- und Lebensqualität in der Gemeinde gesteigert werden. Dies könne zum Beispiel durch neue Angebote für Freizeitreiter und Radfahrer, aber auch durch naturnahen Rückbau passieren. Insbesondere Frank Schwarz spricht sich dafür aus, den südlichen Teil des Flugplatz-Spülfeldes wieder abzutragen, um den Wasseraustausch von Weser und Ochtum zu verbessern. Bildungs- und Sozialpolitik ist Hauptthema von Brigitta Rosenow. Bei ihrer Forderung, fünftägige Betreuung im Spielkreis Bardewisch anzubieten, unterstützen sie ihre Parteifreunde.
Langfristig sind die Grünen dafür, die weiterführenden Schulen zu einer Gesamtschule zusammenzuschließen. Schon jetzt sollten die nebeneinander liegenden Pausenhöfe gemeinsam genutzt werden.
