Streekermoor - Breitreifen, Sportlenkrad, getönte Scheiben – der lindgrüne Opel Manta duckt sich auf der Einfahrt, als wolle er gleich einen Kickstart hinlegen. Doch etwas fehlt. „Kein Fuchsschwanz“, sagt Martin Ramke und nickt.

In seiner Stimme schwingt nicht die Spur eines Bedauerns mit. Der 52-Jährige hat sich zwar mit dem Manta, Modell B, Baujahr 1976 einen Jugendtraum erfüllt, doch das heißt noch lange nicht, dass er jedes Klischee bedienen möchte. Der Streekermoorer lässt den Motor an – dumpfes Grollen dringt unter der Motorhaube hervor. Dabei versteckt sich dort weniger, als das mangels Dämmung imposante Geräusch vermuten lässt. 1,6 Liter Hubraum, vier Zylinder, 60 PS – mit solchen Zahlen schicken Autohersteller heute keinen Kleinwagen mehr auf die Straße.

Martin Ramke ist das egal. „Ich wollte vor allem ein Auto zum Schrauben“, sagt der gelernte Kfz-Mechaniker. Als Lehrling hätte er gerne einen Manta gehabt, doch das blieb nur ein Traum. Schon lange arbeitet er nicht mehr in diesem Beruf, doch der Reiz an klassischen Autos, die noch keine rollenden Computer sind, ist geblieben. Und so geht er nicht ohne Stolz um den Wagen, der so ganz anders ist, als der VW Touran R-Line, den der 52-Jährige im Alltag fährt. Dabei hat auch der Manta einiges an Sonderausstattung zu bieten: Ein Schiebedach, Velourssitze und -teppich und, ja, ein Autoradio mit Kassettendeck. Ramke zeigt auf den Schriftzug „Berlinetta“ am linken Kotflügel. „Diese Modelle hatten damals schon mehr als die Serie zu bieten.“

Von September 1970 bis August 1988 hat die Opel AG den Manta gebaut: Bis Mitte 1975 das Modell A, danach Modell B. Für Opel war das Coupé, mit dem das Unternehmen auf den ebenfalls sportlich auftretenden Ford Capri reagierte, ein Erfolg: Von beiden Modellreihen wurden zusammen 1 056 436 Wagen gebaut. Die wenigsten haben bis heute überlebt. Laut Kraftfahrtbundesamt (Statistik 2014) gibt es bundesweit nur noch 121 zugelassene Fahrzeuge vom Typ Manta B, Berlinetta, wie ihn der Streekermoorer fährt. Zurecht vergessen sind dagegen die beiden Manta-Filme (einer mit einem gewissen Til Schweiger) und unzählige Witze über Mantafahrer, die sich über deren angebliche intellektuelle Tieferlegung lustig machten. (Treffen sich zwei Mantafahrer. „Ich hab’ mir gestern einen Duden gekauft.“ Der andere: „Und, schon eingebaut?)

Sportliche Autos hat Martin Ramke schon einige bewegt. Einen Golf GTI I, Porsche 914, BMW 3.0 CSI und einen 635 CSI. „Keine Frage, ich bin ein Autonarr“, sagt er selbst über sich mit einem Lächeln.


Jetzt also ein Opel Manta mit 77 000 km auf dem Tacho, aus vierter Hand. Keine Servolenkung hilft beim Einschlagen des kleinen Lenkrads, das tiefergelegte Fahrzeug bietet dem Fahrer eine ganz andere Perspektive als ein SUV. Klingt nicht wirklich praktisch und seine Frau ist auch eher skeptisch, aber der Streekermoorer lässt keinen Zweifel aufkommen. „Der Wagen ist vollkommen alltagstauglich.“ Auch ohne Antiblockiersystem, Fahrstabilitätsprogramm und andere Helferlein, wie sie moderne Autos an Bord haben, könnte er den Wagen mit Hinterradantrieb sogar im Winter nutzen.

Auf jeden Fall wird er das gute Stück intensiv pflegen. Und das nicht nur, weil er es dem Vorbesitzer aus Hannover versprochen hat. Fotos vom Wagen in der neuen Heimat sind schon verschickt. „Wir sind in Kontakt“, sagt Ramke. Auch Autos können Männerherzen binden.

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten