Wardenburg - Um einer Mehlschwalben-Kolonie auch im nächsten Jahr ideale Brutbedingungen zu schaffen, greift die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH) an ihrer Geschäftsstelle am Kugelmannplatz in Wardenburg zu einer ungewöhnlichen Maßnahme.
An diesem Freitag rückt eine Fachfirma an den Gartenweg, um die beiden großen Linden vor dem Haus Nummer 5 zu „stutzen“. Diese beiden haushohen Bäume verhinderten in diesem Jahr offenbar, dass die Mehlschwalben an der Hausfassade zur Friedrichstraße hin keine der künstlichen Bruthilfen in Anspruch nahmen.
Bereits seit Jahren brüten unter dem Dachvorsprung des BSH-Gebäude Mehlschwalben. „20 Nester haben wir bei uns angebracht“, sagt BSH-Mitarbeiterin Kathrin Kroker. Jedoch seien die Bruthöhlen in Richtung Kugelmannplatz erstmals leer geblieben. Die Umweltschützer haben als Hindernis die beiden Linden ausgemacht. „Einige Äste hängen in der Einflugschneise dieser Vögel“, erklärt Kathrin Kroker. Da die Linden auf Gemeindegrund stünden, würden die Bäume nun, nach Ende der Blüte- und der Brutzeit, in Absprache mit dem Baubetriebshof eingekürzt.
Zwar seien Linden, so Kroker, schützenswerte Bäume, aber der Schutz von Mehlschwalben wiege höher. „Seit diesem Jahr stehen sie in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel“, weiß die Forstassessorin. Und um diese Schwalbenart zu erhalten, benötigt sie ausreichend Brutplätze. Das BSH-Gebäude ist offenbar beliebt bei dieser Art Zugvögel, die in Afrika überwintert.
In diesem Jahr zählte die BSH einen Nachwuchs von rund 20 Küken. Um die Ansiedlung von Mehlschwalben zu leichtern, hatte die BSH künstliche Bruthöhlen angebracht. Darunter wurden zum Schutz des Gebäudes Kotbretter angebracht, die einmal im Jahr gesäubert werden.
Während Rauchschwalben nur innen brüten, sind Mehlschwalben, die am liebsten in großer Höhe an senkrechten Felswänden brüten, in dicht besiedelten Gebieten auf Bruthilfen angewiesen.
