LINGEN - Die jährliche Hauptversammlung von Berentzen sei bekannt für ihren „hohen Freizeitwert“, merkte ein Aktionärsvertreter in der Generaldebatte an. Tatsächlich waren einige der rund tausend Anwesenden am Mittwoch recht bald zum geselligen Teil im Foyer der Emslandhallen übergegangen. Dabei gab es durchaus einiges zu bereden.

Denn die Traditionsbrennerei, die einst mit dem „Apfelkorn“ Spirituosengeschichte schrieb, schreibt seit mehreren Jahren vor allem eines: rote Zahlen. Daran wird sich auch im Jubiläumsjahr 2008, in dem Berentzen den 250. Geburtstag feiert, nichts ändern, räumte der Vorstandsvorsitzende Axel Dahm ein. Bereits im März hatte der Vorstand angekündigt, die Ausschüttung von Dividenden auszusetzen. Dennoch sei man auf dem richtigen Weg: „Wir haben das wichtige strategische Ziel erreicht, den Negativtrend zu drehen“, sagte Dahm. 2007 sei es gelungen, den Gesamtumsatz um 3,4 Prozent zu steigern und den Spirituosenabsatz auf 104,2 Millionen Flaschen zu erhöhen. Höhere Produktionskosten und das schwächelnde Geschäft mit den Handelsmarken hätten aber letztlich zu einem Fehlbetrag von 11,4 Millionen Euro (Ebit: minus 9 Millionen Euro) geführt.

„Dieser Verlust ist unvermeidlicher Teil eines langfristig angelegten Gesundungsplanes“, erklärte Vorstandsmitglied Ralf Brühöfner. Die Marketing-Offensive des Vorjahres, die mit 33 Millionen Euro zu Buche schlug, soll daher auch 2008 fortgesetzt werden. Im laufenden Jahr setzt Berentzen verstärkt auf die eigenen Marken und will vor allem den Wodka Puschkin gezielt bewerben, der sich 2007 als Renner entpuppte. Dazu wirft die Brennerei zwei neue Sahneliköre auf den Markt.

Angesichts des schon vor Jahren abgestürzten Aktienkurses bleibt den Aktionären vor allem das Prinzip Hoffnung. Daran mangelt es den Berentzen-Anteilseignern offenbar nicht: Sowohl die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat als auch die Nichtauszahlung einer Dividende wurden jeweils einstimmig angenommen. Der Aktionärs-Aufstand blieb aus – allerdings stellt sich die Frage, wie lange der Vertrauensvorschuss noch hält. Schließlich, so erinnerte ein Redner, habe man die Aussagen zur bevorstehenden Wende vor Jahren schon einmal gehört.