LINGEN - Als Martha van den Berg vor genau 50 Jahren in Wilhelmshaven neben einem Bierverlag und einem Getränkeheimdienst zusammen mit ihrem damaligen Ehemann eine Gaststätte mit deftiger Hausmannskost eröffnete, ahnte sie wohl selbst nicht, dass daraus schon bald eine erstaunliche Erfolgsgeschichte werden sollte. Unter dem Namen „Kochlöffel“ bot die Wilhelmshavener Gaststätte neben Braten, Haxe mit Sauerkraut und Gulasch auch das „Kochlöffel“-Paradeprodukt an: Grillhähnchen.

Damit war die System-Gastronomie in Deutschland geboren. Martha van den Berg hatte erkannt, dass sich das Gaststättenkonzept einfach so nur schwer multiplizieren ließ. Die Jungunternehmerin ließ sich deshalb in Amerika inspirieren, wo es das, was hierzulande später Fastfood genannt wurde, längst gab. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Bereits 1963 gab es drei „Kochlöffel“-Schnellrestaurants mit einem einheitlichen, wieder erkennbaren Markenauftritt.

Mit dem Slogan „Der schnelle Grill für Besser-Esser“ gehörten bis 1968 bereits 24 Filialen zum „Kochlöffel“-Netz, darunter damals auch eine in der Oldenburger Achternstraße. Martha van den Berg, auch noch Mutter von sechs Kindern, baute ihr „Kochlöffel“-Unternehmen, das nun seinen Firmensitz im emsländischen Lingen hatte, rasch aus.

Als 1968 ihr Ehemann bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, hatte die damals 32-Jährige die Alleinverantwortung für das Unternehmen. Konsequent setzte sie die System-Gastronomie-Idee weiter um. 1969 heiratete sie erneut, zusammen mit ihrem Ehemann Clemens verkörperte das Ehepaar eine ideale Symbiose aus gewachsener Unternehmenskultur und konsequenter Expansion. Als 1971 in Deutschland McDonald’s sein erstes Schnellrestaurant eröffnete, war „Kochlöffel“ mit seiner Systemgastronomie längst fest im Markt.

Heute setzt das Familienunternehmen – Tochter Julia Hessler gehört ebenso wie deren Mann Torsten Hessler zur Geschäftsführung – verstärkt auf das Franchise-Konzept. Mittlerweile wird rund ein Drittel aller Standorte von Franchise-Partnern geführt. Und nun expandiert „Kochlöffel“ europaweit. Den ersten sechs Franchise-Filialen in Polen folgten drei im türkischen Istanbul. Dort sieht die Geschäftsführung, zu der auch Wolfgang Kaiser als Leiter Franchise gehört, einen zukunftsträchtigen Markt, „wo wir Schwerpunkte setzen wollen“. Das heißt nicht, dass in Deutschland Stillstand herrscht, auch Oldenburg sei für „Kochlöffel“ nach wie vor „ein sehr interessanter Standort“.


Was hat „Kochlöffel“ über ein halbes Jahrhundert so erfolgreich gemacht? „Meine Mutter führt die Firma wie eine Familie und die Familie wie eine Firma“, sagt Julia Hessler über ihre Mutter. Und Martha van den Berg selbst erklärt ihre erstaunliche Kraft in der Doppelrolle als Mutter und Unternehmerin so: „Das klassische Frauenbild von früher gab es in unserer Familie nie, schon meine Mutter war Unternehmerin.“ Organisationstalent, Vertrauen und Teamarbeit seien dabei noch heute die Schlüsselkompetenzen, sagt die 74-Jährige, die das Familienunternehmen weiter auf einem guten Weg sieht.