Löningen - Zu einer Pflanzaktion der besonderen Art trafen sich Mitarbeiter sowie Beschäftigte der Sozialen Arbeitsstätte Altenoythe und Mitglieder des Fischereivereins Löningen. Unter Anleitung der Imker und Gruppenleiter Michael Thien aus Vinnen und Paul Kühling aus Sedelsberg, die in der Sozialen Arbeitsstätte eine Imker-AG mit behinderten Menschen betreuen, wurde ein Grundstück unmittelbar am Altarm Schelmkappe, das die Stadt Löningen zur Verfügung gestellt hatte, mit insektenfreundlichen Pflanzen bepflanzt.

Der Gärtnermeister Michael Thien, Spezialist für bienenfreundliche Pflanzen, hatte dafür unter anderem Bienenbäume und Silphien (Becherpflanzen), die Virginiamalve „Sida“ und die im Hochsommer blühende „Immerblühende Mandelweide“zur Verfügung gestellt. Allen Pflanzen ist gemeinsam, dass sie vom Sommer bis weit in den Spätherbst hinein eine hervorragende Pollen- und Nektarquelle für Insekten aller Art bieten. Nachgewiesen ist, dass sich keine dieser Pflanzen unkontrolliert in der Natur vermehrt und heimische Pflanzen verdrängt. Außerdem wurden Obstbäume und Wildrosen gesetzt.

„Sicherlich werden wir durch diese Pflanzung das Insektensterben nicht aufhalten können. Aber wir wollen zumindest im Rahmen unserer Möglichkeiten damit ein Zeichen setzen“, betont Rudolf Thomann, Vorsitzender des Löninger Fischereivereins. Angesichts des massiven Insektensterbens, das zurzeit immer weiter in den Focus rückt, soll durch diese Aktion jedenfalls auf einem kleinen Raum gegengesteuert werden. Wenn die Aktion erfolgreich sein sollte, plant der Verein an geeigneten Standorten ähnliche Pflanzungen vorzunehmen. „Jeder kann auch auf kleinen Flächen, wie zum Beispiel Randstreifen oder unbewirtschafteten Kleinflächen, effektiv etwas für den Insektenschutz tun. Das Bienensterben betrifft ja gar nicht in erster Linie die Honigbienen. In besonderem Maße sind die über 500 Arten von Wildbienen betroffen, die einen Großteil der Bestäubungsarbeit leisten“, erklärt Bienenexperte Thien.

Besonders bei der „Durchwachsenen Silphie“ gibt es in Deutschland vermehrt Anbauversuche, auch im Kreis Cloppenburg. Vor allem in Thüringen und Baden-Württemberg wird die Pflanze, die eine Höhe von drei Metern erreichen kann, zurzeit auf größeren Flächen als blühende Maisersatzpflanze für die Biogasanlage getestet. Sie kann bis zu 15 Jahren geerntet werden, ist eine blühende Alternative zum Mais und kann zusammen mit dem Mais für die Biogasanlage gehäckselt werden. Darüber hinaus sorgt sie mit bis zu 150 Kilogramm Honig pro Hektar für eine zusätzliche Trachtquelle für Bienen.

Seit einigen Jahren forschen Wissenschaftler des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen (Julius- Kühn-Institut) in Braunschweig an dieser Alternative zum Mais. Auf geeigneten Standorten bringt sie ähnlich hohe Erträge. Durch ihr tiefes und dichtes Wurzelsystem gilt sie als relativ trockentolerant und nimmt überschüssige Nährstoffe auf, bevor sie ins Grundwasser gelangen können. Anbauversuche haben gezeigt, dass Wildschweine, die Maisfelder gezielt aufsuchen und hier größere Schäden verursachen, Flächen mit Silphie meiden.