Bremen/Wilhelmshaven - Wenn Detthold Aden von seinem Schreibtisch in der Firmenzentrale der BLG Logistics Group am Präsident-Kennedy-Platz in Bremen aufschaut, blickt er auf einem Sideboard nicht nur auf die Modelle von Containerschiffen und einem Riesenairbus, sondern auch auf eine kleine Büste von Napoleon. „Napoleon hat mich schon immer fasziniert – nicht nur, weil wir die gleiche Konfektionsgröße haben“, sagt der Vorstandsvorsitzende der BLG-Logistikgruppe und schmunzelt.
„Die Dynamik, die Napoleon, in die Vereinigung Europas gelegt hat – auch wenn seine Mittel teilweise falsch waren–, seine Fähigkeit, Menschen zu motivieren und für Ideen zu begeistern und seine strategische Planung fand ich immer interessant“, sagt Aden über den französischen Feldherrn, dessen Büste er im Alter von 28 Jahren auf einem Flohmarkt erstanden hatte. „Napoleon war so etwas wie der Urvater der Logistik.“
Dynamik, Selbstbewusstsein, strategisches Denken – Eigenschaften die auch auf den gebürtigen Wilhelmshavener Aden zutreffen. Als er 1999 den Vorsitz bei der traditionsreichen BLG übernahm, beschäftigte das Unternehmen 3000 Mitarbeiter in Bremen und Bremerhaven. Unter Aden vollzog das 1877 gegründete Unternehmen den Wandel zum hafenorientierten Logistikanbieter. Heute sind weltweit 16 000 Beschäftigte für die BLG-Logistikgruppe tätig, die 2011 erstmals mehr als eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaftete.
Zu BLG gehört etwa der Autoterminal in Bremerhaven, mit mehr als zwei Millionen umgeschlagenen Fahrzeugen einer der größten Autohäfen der Welt, das größte Hochregallager Europas, das BLG für Tchibo an der Weser managt, oder auch der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, den BLG über die Tochter Eurogate mit betreibt.
„Das Unternehmen ist hervorragend aufgestellt“, meint Aden. So gut, dass der 65-Jährige sich nun, nach 14 Jahren an der BLG-Spitze, zurückziehen will. Am 1. Juni tritt Frank Dreeke seine Nachfolge an.
Mit Aden tritt ein Urgestein und eine zentrale Figur im Logistiksektor in Deutschland und Europa ab. Dabei gehört der Sohn eines Wilhelmshavener Fuhrunternehmers zu den ganz wenigen führenden Köpfen in der Branche, die das Geschäft noch von der Pike auf gelernt haben. Einer, der keine Hochschule besucht, sondern bei der Firma Güter-Schnell-Verkehr Carl Graetz in Wilhelmshaven eine Lehre zum Speditionskaufmann absolviert hat.
„Für mich gab es eigentlich nie etwas anderes als Logistik“, sagt Aden, „auch wenn mein Vater mir immer davon abgeraten hat“. Es reiche einer in der Familie, der nie zu Hause ist, habe sein Vater damals gemeint.
Vergeblich. Mit 20 Jahren verlässt Aden seine Heimatstadt. Mit gerade einmal 26 Jahren wird er Gründungsgeschäftsführer beim Logistikunternehmen und Paketdienst UPS (United Parcel Service) in Deutschland. 1982 wirbt ihn Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn für die Aufgaben des Paketversandes in den Verlags- und Medienkonzern ab, wo Aden die Grundlagen für die Tochter Arvato legt. 1990 wechselt er zum Stahlkonzern Thyssen, wo er unter anderem die Fusion der Speditionen von Thyssen und Haniel verantwortet.
1999 geht er zu BLG nach Bremen. Manche in der Branche sprechen von einem Rückschritt. Aden sieht das anders. Er hätte sich kaum eine spannendere Aufgabe vorstellen können, als aus einem Hafenbetrieb einen weltweit agierenden Logistiker aufzubauen, sagt er. „Die Aufgabe ist für mich immer entscheidend gewesen.“
Mit dem, was in den vergangenen Jahren aus BLG geworden ist, ist Aden sehr zufrieden. „Ich würde nichts anders machen“, sagt er rückblickend. Besonders gefreut habe ihn, dass der Jade-Weser-Port in seiner Heimatstadt Wilhelmshaven realisiert werden konnte. „Das war auch eine ganz persönliche Genugtuung“, sagt er.
Denn seiner Heimat ist er weiterhin eng verbunden. „Mit Stolz“ trage er im Familienwappen den Rüstringer Friesen. Regelmäßig schaue er in seiner alten Heimat vorbei, nicht nur weil seine 88-jährige Mutter noch in der Jadestadt lebt.
Dass die Geschäfte am dortigen Tiefwasserhafen bislang nur sehr schleppend angelaufen sind, erfüllt ihn nicht mit großer Sorge. „Die Grundidee halte ich für richtig und ich glaube weiterhin fest daran, dass der Jade-Weser-Port eine Erfolgsstory wird“. Bei Häfen dürfe man nicht in Abschnitten von ein, zwei Jahren, sondern von 50 Jahren denken.
Langfristig denken – eine Maxime, die auch für Aden und BLG gilt. Mit der Logistik für Offshore-Windenergielangen und dem Online-Handel treibt die Bremer Logistikgruppe in diesen Monaten schon die nächsten Projekte voran. Erst kürzlich hat sich BLG große Teile des bisherigen Neckermann-Logistikzentrums in Frankfurt gesichert „Im Online-Handel gibt es nachhaltiges Wachstum. Das ist ein wichtiger strategischer Schachzug für uns“, ist Aden überzeugt.
Die Basis für weiteres Wachstum bei BLG ist gelegt. Die Umsetzung wird Aden seinen Nachfolgern überlassen. Er selbst wolle nach seinem Abgang im Juni erst einmal für drei Monate mit seiner Frau, einer Brasilianerin, im gemeinsamen Haus in Brasilien verbringen. „Abstand gewinnen“, sagt der 65-Jährige. „Selbst über meine Zeit entscheiden können, darauf freue ich mich.“
Dauerhaft zurücklehnen will sich Aden allerdings im Ruhestand nicht. „Ich habe die Idee – in Anlehnung an den Weltwirtschaftsgipfel in Davos – einen globalen Logistik-Summit zu entwickeln“, sagt er. Gespräche mit möglichen Mitstreitern habe es schon gegeben. Schon 2014 könnte es die Premiere geben. Das Thema Logistik lässt Aden eben auch im Alter nicht los. „Logistik ist mein Hobby“, sagt er.
