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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Lokale Marktplätze statt Amazon und Co

19.02.2015

Wuppertal /Oldenburg Lange Zeit haben Buchhändler, Boutiquen und Weinläden auf Internetriesen wie Amazon gestarrt wie das Kaninchen auf die Schlange. Doch inzwischen formiert sich immer mehr Widerstand gegen die scheinbar übermächtige Online-Konkurrenz. Im Kampf helfen sollen lokale Internet-Marktplätze und Suchmaschinen, die anzeigen, wo in der Nachbarschaft ein gesuchter Artikel gerade verfügbar ist.

Vorreiter ist dabei nicht eine der großen Metropolen, sondern Wuppertal. Die Stadt hat zusammen mit dem Internet-Start-up Atalanda Ende 2014 den lokalen Marktplatz Online City Wuppertal (OCW) ins Leben gerufen. Dort präsentieren inzwischen 47 lokale Händler vom Autoteile-Anbieter über den Süßwarenshop bis zum Modeladen fast 4000 Produkte. Der Clou des Angebots: Die Produkte werden auf Wunsch noch am selben Abend zugestellt.

Atalanda-Geschäftsführer Roman Heimbold berichtet, das Start-up sei inzwischen mit über 60 Städten im Gespräch über die Gründung weiterer lokaler Marktplätze. Auch andere Internet-Start-ups haben das Thema für sich entdeckt. So offeriert die unter anderem von Holtzbrinck Ventures unterstützte Website Locafox Verbrauchern die Möglichkeit, online festzustellen, wo in der Umgebung ein gesuchtes Produkt zu finden ist, und es auch gleich zu reservieren.

Ähnlich ist das Angebot bei der Plattform „Simply Local“, an der Media-Saturn und Medienhäuser aus ganz Deutschland, darunter die NWZ -Mediengruppe und die Wilhelmshavener Zeitung beteiligt sind, und die mit dem Slogan wirbt: „Alle Produkte deiner Stadt auf einen Blick und Klick“. „Der stationäre Handel hat die Notwendigkeit erkannt, auf den Online-Handel zuzugehen“, sagt Matthias Dose, Projektmanager der NWZ . Das Interesse sei groß. In der Region Oldenburg seien bereits mehr als 100 Shops angeschlossen, obwohl die nationale Vermarktung erst im Frühjahr 2015 starten werde. Als einen großen Vorzug sieht er den einfachen Zugang für Händler auch ohne Warenwirtschaftsanbindung.

„Die größte Trumpfkarte der lokalen Händler im Wettbewerb mit der Feuerwalze Amazon ist die rasche Verfügbarkeit der Produkte, die sie bieten können. Sie sind näher dran am Kunden. Sie können die bestellte Ware noch am selben Tag zustellen. Das schafft Amazon nicht“, beschreibt derweil der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein den Vorteil des „Local Shopping“.

Doch bei aller Aufbruchstimmung warnt Heinemann vor zu viel Euphorie. OCW erscheine vielen Städten als Patentrezept, um die lokalen Händler wettbewerbsfähiger zu machen. Aber noch fehle der Beweis, dass das Konzept funktioniere. Schließlich müssten die neuen Angebote mit Marktplätzen wie eBay oder Amazon konkurrieren, die ein riesiges Angebot offerieren könnten.

Auch die Macher hinter OCW räumen ein, dass das Projekt noch am Anfang steht. „Im Moment ist es noch eher ein Online-Schaufenster. Wir werden wohl zwei Jahre brauchen, um daraus einen vollwertigen Online-Shop zu machen“, sagt Heimbold.

An Begeisterung fehlt es bei den Wuppertaler Pionieren jedenfalls nicht. Um seine Süßwaren in der Online City anbieten zu können, habe er manchmal bis vier oder fünf Uhr morgens daran gearbeitet, Produkte zu fotografieren und Texte zu schreiben, erzählt Markus Kuhnke vom Naschkatzenparadies. Auch wenn die Zahl der Online-Bestellungen, die ihn bisher erreichten, überschaubar ist, zweifelt er nicht am Erfolg des Projekts: „Ich glaube nicht, dass Amazon von Anfang an gut verkauft hat.“

Jörg Schürmeyer
Redakteur
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2041

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