Berlin - Mit einem Arbeitskampf im Güterverkehr hat die Lokführergewerkschaft am Dienstag den nächsten großen Streik bei der Bahn eingeläutet. Um 15 Uhr ließen die Mitglieder bundesweit die Güterzüge stehen. Die Bahn erwartet, dass die Hälfte ihres Angebots zusammenbricht. Sie will für die Versorgung wichtige Züge vorrangig besetzen.

Von Mittwoch um 2 Uhr bis Donnerstag um 21 Uhr sollen dann auch Personenzüge stehen bleiben, Millionen Fahrgäste werden sich dann Alternativen suchen müssen. Betroffen sind Fernzüge ebenso wie der Regional- und S-Bahnverkehr. Erste Ausfälle gab es schon am Dienstag, weil Züge für Ersatzfahrpläne bereitgestellt wurden.

Mit dem siebten Arbeitskampf in der laufenden Tarifrunde will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) weiteren Druck auf die Deutsche Bahn machen. Die Arbeitnehmerseite hatte die Verhandlungen nach 16 Runden ein weiteres Mal für gescheitert erklärt.

Fernbusbetreiber berichteten von einem Kundenansturm und kündigten an, zusätzliche Fahrer einzusetzen. Der Fahrgastverband Pro Bahn zweifelte jedoch daran, dass zusätzliche Busse auf die Straße kommen. „Flugzeug und Fernbus fallen als Ausweichverkehrsmittel nach Beobachtungen von Pro Bahn praktisch aus, weil deren Kapazitäten schon weitgehend erschöpft sind“, teilte Sprecher Gerd Aschoff mit.

Die Industrie rechnet unterdessen mit deutlichen Produktionsausfällen durch den 66-stündigen Streik im Güterverkehr, der erst am Freitag um 9 Uhr enden soll. „Streikbedingte Schäden können von einstelligen Millionenbeträgen schnell auf bis zu 100 Millionen Euro Schaden pro Tag anwachsen“, erklärte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Auch der Außenhandelsverband BGA erwartet erhebliche Einbußen. Besonders betroffen sind laut BDI die Gefahrguttransporte der Chemieindustrie, die Rohstoffanlieferung in der Stahlindustrie und der Transport von neuen Autos in die Exporthäfen.